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Presseschau: Solothurner Zeitung 23. November 2005

Besuchsdienst feierte ein Jubiläum

Solodaris Seit fünf Jahren betreuen psychisch behinderte Menschen betagte Personen

Der Besuchsdienst stärkt das Selbstbewusstsein und fördert die Integration psychisch kranker Menschen. Seit fünf Jahren besteht dieses Angebot des Vereins Solodaris. Knapp 100 Personen versammelten sich zu einer Feier.
Elisabeth Seifert
«Von Kind an leide ich an Depressionen», bekennt die heute 52-jährige Maja Cerny aus Biel. «Seit ich aber vor zwei Jahren die Ausbildung gemacht habe, um im Besuchsdienst arbeiten zu können, hat sich meine Wahrnehmung verändert.» Zusammen mit drei weiteren Besuchsdienst-Kollegen erzählte sie gestern Abend in der Solothurner Jugendherberge vor einem zahlreich aufmarschierten Publikum von sich selbst und ihren Einsätzen in der vom kantonalen Verein Solodaris (s. Kasten) organisierten Behinderten- und Betagtenbetreuung.

Ganz besonders geholfen haben Maja Cerny die «Annahme, das Wohlwollen und die Förderung», die ihr während des dreizehnwöchigen Kurses durch das Solodaris-Team entgegengebracht worden sind. «Es hat immer geheissen, wir wollen, dass ihr das schafft.» Und während ihrer Arbeit im Besuchsdienst, die sie bis Mitte dieses Jahres ausgeübt hat, konnte sie sich bei Problemen jederzeit an eine Therapeutin oder einen Therapeuten wenden. Vor einigen Monaten startete sie dann eine ganz reguläre Psychologieausbildung. Und wenn sie diese dann auch bald wieder aufgeben musste, steckt sie doch voller Pläne für die Zukunft und weiss: «Ich werde zwar auch weiterhin meine Depressionen haben, aber ich kann etwas leisten.» Und ihr Wunsch an die Arbeitswelt: «Die Art und Weise, wie im Besuchsdienst die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter behandelt werden, sollte ein Modell für alle Arbeitgeber sein.»

 

 

 

60 Mitarbeitende

Seit fünf Jahren organisiert Solodaris den Besuchsdienst, in dem ausschliesslich Betreuer und Betreuerinnen tätig sind, die über eine IV-Rente verfügen und mit psychischen Problemen zu kämpfen haben. Zurzeit sind über 60 Mitarbeitende in der Betreuung von Betagten und Behinderten tätig. «Menschen, die Schwächen erlebt haben, entwickeln ganz bestimmte Stärken», sagte gestern Daniel Wermelinger, Geschäftsführer von Solodaris, anlässlich der Feier zum fünfjährigen Bestehen des Besuchsdienstes. «Sie verfügen in ihren stabilen Phasen über hohe soziale Kompetenzen.» Für den Einsatz im Besuchsdienst braucht es selbstverständlich Vorbereitung. Seit den Anfängen im Jahr 2000 hat Solodaris elf Kurse durchgeführt und zudem werden die Mitarbeitenden ständig durch ein fachlich kompetentes Team begleitet und gestützt.

Den Kundinnen und Kunden verrechnet Solodaris für die erbrachten Dienste einen Betrag von sechzehn bis zwanzig Franken in der Stunde, der über die Ergänzungsleistungen abgerechnet werden kann. Ein grosser Teil davon wandert in die Lohntüte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Selbstwertgefühl und Arbeit

«Der Aufbau eines Selbstwertgefühls ist ein ganz zentrales Bedürfnis von Menschen mit Depressionen», meinte Niklas Bär, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Psychiatrischen Dienstes des Kantons Baselland. Und der Besuchsdienst trage hierzu Wesentliches bei. Ein gutes Gefühl und ein neues Selbstbild ermöglichten es dann auch, den Schritt in Richtung soziale und berufliche Integration zu wagen. Eine sinnvolle Arbeit und soziale Beziehungen seien weitere wichtige Punkte für mehr Lebensqualität. So falle etwa auf, dass Patienten ohne Erwerbstätigkeit öfter in eine psychiatrische Klinik eingewiesen werden und auch länger dort bleiben, unabhängig von der Diagnose.

Thomas Knapp, Journalist sowie betroffener Autor des Buches «Burn-out: In den Krallen des Raubvogels», warb für ein besseres Verständnis für Menschen, «die Schwäche zeigen.» «Seit ich selber akzeptiere, dass ich nicht mehr so gut funktionieren kann wie früher, geht es mir besser.» Zudem sei es ganz wichtig, auf die Signale des Körpers zu hören und rechtzeitig die Notbremse zu ziehen.

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