Immer mehr Menschen klagen über chronische Erschöpfung und Antriebslosigkeit. Besonders anfällig für ein Burn-out – einen über längere Zeit anhaltenden Erschöpfungszustand auf seelischem, körperlichem und geistigem Gebiet – sind ehrgeizige oder perfektionistische Persönlichkeiten, die sämtliche Warnsignale ignorieren und ihre Ressourcen nicht mehr auffüllen. Wie der Solothumer Journalist und Verleger Thomas Knapp, der seinen Burn-out Absturz in einem Erfahrungsbericht beschrieb. «Burn-out – In den Krallen des Raubvogels», war mit 7000 verkauften Exemplaren ein Überraschungserfolg. Jetzt liegt das Folgebuch «Mutmacher für Chefs und Angestellte» in den Buchhandlungen auf.
Wer die Bücher liest stellt sich unwillkürlich die Frage, ob Arbeit krank macht. Thomas Knapp: «Oft lautet die Antwort Ja. Der gestiegene Druck in der Arbeitswelt ist eine Ursache dieser Entwicklung, kann dessen Wachstum aber nicht allein erklären. Der Arbeitsmarkt ist immer weniger in der Lage, alle Arbeitskräfte aufzunehmen. Nicht nur Menschen mit ungenügender Ausbildung, auch gut ausgebildete Kaderleute fallen aus dem Arbeitsmarkt heraus und werden mit der Diagnose "psychisch krank" abgeschoben.» Thomas Knapp setzt sich mit der veränderten Ethik in der Arbeitswelt auseinander. Mit seinem zweiten Buch will er nicht nur psychisch angeschlagenen Menschen Mut machen, sondern auch Personalchefs, Vorgesetzte und Mitarbeiter ansprechen und ihnen die Furcht vor diesem Tabuthema nehmen. Das Buch darf jedoch nicht als heilbringender Ratgeber missverstanden werden. Der Autor äusscrt sich da klar: «Wenn man wirklich tief drin steckt, kann man sich selber kaum mehr helfen. Ich rate dringend, professionelle medizinische und psychologische Hilfe beizuziehen.»

Dazu kommen im ersten wie im zweiten Buch Fachleute zu Wort. Experten, die sich aus verschiedener Optik mit dem Thema Burn-out und psychische Erkrankung beschäftigen.
Der Mentaltrainer Andreas Lüthi plädiert dafür, sich mit seiner individuellen Lebensbilanz auseinanderzusetzen. Der Allgemeinmediziner Dieter Kissling reflektiert persönliche sowie strukturelle Massnahmen zur Gesundheitsförderung in Unternehmungen. Der gebürtige Solothumer Rene C. Jäggi, ehemaliger Adidas-Chef und Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern, schrieb das Vorwort. Thomas Knapp hat sich an die Empfehlungen gehalten, sein Pensum beim Solothurner Tagblatt reduziert, sich mit dem Verlag Textwerkstatt ein zweites Standbein geschaffen. Doch nach wie vor sind ihm das «Zmorge» mit der Tochter und das tägliche Joggen genau so wichtig wie die vielfältigen Aufgaben. «Wenn ich heute arbeite, schaffe ich intensiver, aber ich lebe auch intensiver.»