Auszüge aus der NZZ – Zeitfragen:
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Anders gelagert ist der Fall des heute 45-jährigen Thomas Knapp, der bereits eine eigene Familie hatte, als ihn die Erschöpfungsdepression überfiel. Der gelernte Buchhändler hatte zum Journalismus gewechselt und war in einer leitenden Stellung, die ihn völlig auffrass, ohne dass ihn das störte. Sein Umfeld freilich, seine Frau und die Freunde von früher, stellte schon lange fest, dass er sich verändert habe. Doch er selber schob das weg, fand es ganz toll, so nah am Geschehen zu sein. Zur Einsicht zwang ihn erst der physische Kollaps. Ist Burnout eine Krankheit? Knapp sagt, er sei tatsächlich krank gewesen, doch die Krankheit heisse Depression. Und in gewissen Situationen leuchte bei ihm weiterhin die Alarmlampe. Sind Burnout-Betroffene wie Alkoholiker lebenslänglich rückfallgefährdet?


Während der Monate der tiefsten Krise vermochte er nicht, mit seiner Frau darüber zu reden, was mit ihm geschah. Schreibend teilte er sich ihr nach Abklingen der schweren Depression mit. Als es ihm besser ging, fiel seine Partnerin, die Familie, Haus und Aussenkontakte über die schwierige Zeit allein am Funktionieren gehalten hatte, in ein Loch, brauchte ihrerseits Erholung. Knapp arbeitete seinen Erfahrungsbericht um und publizierte ihn in seinem neugegründeten Verlag Textwerkstatt, der sich auf Lebenshilfe und Kinderbücher spezialisiert. Ein Zurück an die gutbezahlte, hektische Stelle gab es nicht. In Teilzeit ist er bei einem früheren Arbeitgeber tätig. Die für das Syndrom typischen psychischen Ängste hat er genauso überwunden wie die materiellen. Heute lebe die Familie viel bescheidener - bei höherer Lebensqualität. Burnout setzt Werte neu.
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