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Presseschau: Jungfrau Zeitung, 19. Januar 2006

4. Internationales Alpensymposium in Interlaken mit starken Referenten

Das 4. Internationale Alpensymposium in Interlaken war ein grosser Erfolg: Die Referenten waren hervorragend, das Thema «Work-Life-Balance & Life-Leadership» passte. Veranstalter, Sponsoren und Besucher zeigten sich vollauf zufrieden.

In der Regel offenbart ein zweitägiger, dicht gedrängter Kongress immer auch irgendwelche Schwächen: Mal funktioniert die Technik nicht optimal. Mal hält sich ein Referent nicht an sein Zeitbudget. Oder er spricht am Publikum vorbei. Mal gibts Kapazitätsprobleme am Büffet. Oder dann erweist sich die Qualität an letzterem als verbesserungswürdig. Nicht so am 4. Internationalen Alpensymposium im Lindner Grand Hotel Beau Rivage in Interlaken: Das Hotelteam sorgte auf freundliche und unaufgeregte Art für einen würdigen, für einen perfekten Rahmen. Das Thema «Work-Life-Balance & Life-Leadership» und die Referenten stiessen auf grosses Interesse, schliesslich war das Alpensymposium mit 325 Teilnehmerinnen und Teilnehmern pro Tag auch ausverkauft. Und sie zeigten sich am Schluss so begeistert wie Oliver Stoldt von der veranstaltenden GriwaConsulting AG in Grindelwald - «ein Weltklasse-Anlass» - und wie die Sponsoren, von denen gleich einige spontan erklärten, am 5. Internationalen Alpensymposium wieder mit von der Partie zu sein. Wenn der kritische Besucher, was ein Journalist ja sein sollte, am Alpensymposium doch noch nach dem Haar in der Suppe suchen wollte, hielt er sich höchstens ob folgender drei Nebenerscheinungen auf: Die deutsche Schwimmlegende Michael Gross, mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister, bewegte sich mit seinem Referat «Sieg und Niederlage - Basis zur Motivation!» nicht ganz auf dem Niveau seiner Vor- und Nachredner. Christoph B. Graf, der Moderator des ersten Tages, blieb eher blass. Und der Rotwein am Networking-Dinner mundete nur bedingt. Das alles schmälerte jedoch den hervorragenden Gesamteindruck des 4. Internationalen Alpensymposiums in keiner Art und Weise.

Die «guten» Werte messen Da war der 47-jährige Dr. med. Michael Spitzbart, Gesundheitsexperte und Leiter der ersten deutschen Praxis für Gesunde. Wer meinte, nun einem trockenen und Moral triefenden Gesundheitsapostel zuhören zu müssen, wurde positiv überrascht. Mit zahlreichen spitzen Bemerkungen wurde Spitzbart seinem Namen rhetorisch und inhaltlich vollauf gerecht. Er warnte davor, dass wir von unserer Leistungsfähigkeit 30 Prozent verlieren und dabei nichts bemerken würden. Umso überraschender käme dann der Herzinfarkt. Laut Spitzbart ein Grund für dieses «Fehlverhalten»: Hausärzte würden oft nur die «bösen», aber nie die «guten» Werte messen. Bei den Eiweissen, insbesondere bei den gehirnaktiven und Burnout dämmenden Aminosäuren, setzt Spitzbart an: «Viele Menschen haben zu wenig Eiweisse.» Seine Empfehlung: Mehr Linsen und Hüttenkäse essen. Zudem riet Spitzbart, bei entspannter Konzentration zu arbeiten. Dann sei man am leistungsfähigsten. Seine Landsleute und insbesondere die deutschen Medien geisselte er als «Weltmeister im Negativen»: «Nach jeder Ausgabe des 'Spiegel' hassen Sie wieder sieben Leute mehr, welche Sie vorher gar nicht gekannt haben.»

 

Die Kraft fehlte

Zu einem ganz besonderen Highlight entwickelte sich der Auftritt von Erfolgstrainer Ottmar Hitzfeld. Im grenznahen Lörrach aufgewachsen, spielte Hitzfeld in der Ära von Helmut Benthaus, Karl Odermatt und Walter Balmer erfolgreich beim FC Basel. Und auch als Trainer hatte der heute in Engelberg lebende Hitzfeld überall Erfolg: Zuerst beim SC Zug, dann beim FC Aarau, mit welchem Hitzfeld 1985 überraschend Cupsieger wurde, und bei GC sowie schliesslich in Deutschland bei Borussia Dortmund und Bayern München. Der Erfolgstrainer gewann 20 Titel, darunter zweimal die Champions League - 1997 mit Borussia, 2001 mit Bayern. Im Sommer 2004 hörte Hitzfeld nach sechs(!) Jahren beim FC Bayern auf - und verzichtete damals für alle überraschend aufs Angebot, als Bundestrainer die deutsche Nationalmannschaft zu übernehmen. «Ich habe gespürt, dass ich eine Pause brauchte. Ich wusste, dass ich die notwendige Kraft und das innere Feuer nicht gehabt hätte», so Hitzfeld, welcher damals auch entsprechende gesundheitliche Warnsignale festgestellt hatte. Heute gehe es ihm so gut wie nie zuvor. Deshalb wisse er auch noch nicht, ob er wieder einen Trainerjob annehmen werde, meinte Hitzfeld. Sein Tipp: «Um erfolgreich zu sein, muss man auch leiden. Es braucht jedoch die richtige Balance zwischen Anspannung und Entspannung.»

Jugend im Zentrum

Sebastian Coe war schon als Mittelstreckenläufer auf der 400-Meter-Bahn eine Persönlichkeit, ein Gentleman und ein Sympathieträger. Auch als Politiker der Tories - Coe war von 1992 bis 1997 im britischen Unterhaus und ist seit dem Jahr 2000 auf Lebzeiten Mitglied des «House of Lords» - und vor allem als Präsident der erfolgreichen Olympia-Kandidatur London 2012 überzeugt Lord Sebastian Coe mit Kompetenz, Charisma und Bescheidenheit. Er selber und seine Fokussierung auf die Jugend erwiesen sich denn auch als die wesentlichen Erfolgsfaktoren für Londons Olympia-Kandidatur. Am Alpensymposium in Interlaken verwies Coe auf die hohen politischen und infrastrukturellen Hürden, die zu überwinden waren. Entscheidend im Wettbewerb mit anderen Weltstädten wie Paris, Madrid, Moskau oder New York war jedoch die Vision, die Olympischen Spiele und die Jugend wieder zusammenzubringen.

Balance der Lebensbereiche

Sprach Coes Präsentation emotional-positiv das Publikum an, bewegten die eindrücklichen und schonungslos offenen Ausführungen von Thomas Knapp, der auf seinem Karrierehöhepunkt vom Burnout-Syndrom gegeisselt wurde, die Alpensymposium-Besucher auf eine andere Art mindestens so nachhaltig. Wie ein Burnout zu vermeiden ist, zeigte Professor Lothar J. Seiwert, laut Focus «Europas tonangebender Zeitmanager», eindrücklich auf: Er plädierte für die Balance der vier Lebensbereiche Körper/Gesundheit, Arbeit/Leistung, Familie/Beziehungen und Sinn/Kultur. Dabei solle man das 7-Hüte-Prinzip verfolgen: Über alle Lebensbereiche gesehen, von Familie über Beruf, Politik und ehrenamtliche Tätigkeiten bis hin zur Freizeit, dürfe man nicht mehr als sieben Hüte tragen. «Die Kunst liegt nicht in einem noch effizienteren Zeitmanagement, sondern in der effektiven Beschränkung aufs Wesentliche», so Seiwert. Gerade in der Arbeit solle man sich auf die wichtigen und nicht auf die angeblich dringenden Dinge konzentrieren. Letzteres ist ein Lebenskonzept, welches René C. Jäggi, Sanierer aus Leidenschaft und zurzeit noch Präsident beim deutschen Kultverein 1. FC Kaiserslautern, zu Herzen genommen hat. Der Besitzer des Palace in Mürren und ehemalige Adidas-Chef sieht sich denn auch überhaupt nicht als Burnout gefährdet: «Dazu bin ich zu faul.»

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