«Burn-out» – dieser Begriff kam in den letzten Jahren vor allem in den Medien immer häufiger zur Sprache. Einerseits wegen der Unklarheit über das neuartige Phänomen, andererseits wegen der Symptome und Auswirkungen der nach aussen hin unsichtbaren Krankheit und der Aktualität in der Arbeitswelt von heute. Der Journalist und Autor Thomas Knapp hat es sich zur Aufgabe gemacht, von seinem Weg «aus den Krallen des Raubvogels» zu erzählen und andere Leute über die psychische Erkrankung zu informieren.
Zum ersten Anlass der neuen Kultur- und Sportkommission Kestenholz konnte Präsident Martin Iseli, der Thomas Knapp bereits seit 20 Jahren kennt, sowohl Kestenholzerinnen und Kestenholzer wie auch Interessierte aus anderen Gäuer Gemeinden begrüssen. Ohne den Anschein erwecken zu wollen, ein medizinischer Experte zu sein, schilderte Thomas Knapp den Anwesenden, wie er selbst trotz beruflichem Aufstieg tief in das Burn-out gefallen war.
Im Oktober 2004 war ihm von seinem Arzt eine Erschöpfungsdepression diagnostiziert worden. Nach einem langen Prozess, der sich über Monate hinzog, ist er heute so weit, über seine Fehler zu sprechen und vor allem anderen Mut zu machen, um die eigenen Schwächen früh genug zu erkennen und zu ihnen zu stehen. «Viel zu lange habe ich die Signale wie Nackenschmerzen, Verdauungsprobleme oder sogar Sehstörungen nicht ernst genommen, weil ich mir selber nicht eingestehen konnte, dass mit mir etwas nicht stimmt», so Knapp. Erst ein Schlüsselerlebnis habe ihn schliesslich zur Einsicht gebracht. Nachdem er auf seinen Erstling so viele Rückmeldungen und positive Reaktionen erhalten hatte, blieb er beim Thema und veröffentlichte Ende März sein zweites Buch, den «Mutmacher für Chefs und Angestellte». Thomas Knapp ist überzeugt, dass auch psychisch Kranke arbeiten können und nicht von der Gesellschaft ausgeschlossen sein müssen. «Etwas vom Schwierigsten ist es, sich den Blicken von Menschen, denen man begegnet, ausgesetzt zu fühlen, die einem von aussen die Krankheit nicht ansehen. Sie könnten denken: Der ist doch gesund und läuft herum, warum also arbeitet er nicht?»
Bei der anschliessenden Diskussion mit dem Publikum ging Thomas Knapp vor allem auf den eigenen Umgang mit der Krankheit ein. «Erst wer akzeptiert, dass er seinen eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden kann, und sich helfen lässt, findet einen Weg aus der Krankheit.» Neben einigen Fragen über typische «Burn-out-Kandidaten» und entgegenwirkende Massnahmen kamen aus dem Publikum auch zwei Stimmen, die selber einen solchen Erschöpfungszustand erlebt haben.
Alle waren sich am Ende einig: Die Quintessenz ist, sich selber, seine Bedürfnisse und allfällige Anzeichen auf die Krankheit ernst zu nehmen und bewusster zu leben. «Es hilft schon, wenn man im Alltag lernt, auch mal ohne schlechtes Gewissen Nein sagen zu können», fügte Thomas Knapp hinzu.
In seinem Fall war das Burn-out, nachdem er einen langen Prozess der Therapie durchgemacht hatte, eine Chance für einen Neuanfang. Beim anschliessenden Apéro wurde unter den Anwesenden angeregt weiter diskutiert, und es bestand die Möglichkeit, Thomas Knapps Bücher zu kaufen oder von ihm selbst noch mehr Informationen zu erhalten.
Der erste, sehr gelungene Anlass der Kultur- und Sportkommission war ein guter Anfangspunkt, um dem kulturellen Leben in Kestenholz eine neue Facette zu geben.
Marina Stawicki
Sich den Erfahrungen mit dem Burn-out stellenNeuerscheinung – Der Oltner Journalist Thomas Knapp widmet sich auch in seinem zweiten Buch dem selbst erlittenen Burn-out. Er beschreibt darin seine Erlebnisse nach dem Bekanntwerden.Auch in seinem zweiten Buch zum Thema Burn-out mit dem Titel «Mutmacher für Chefs und Angestellte» versteht es der Oltner Journalist Thomas Knapp, seine eigenen Erfahrungen ungeschminkt aufs Papier zu bringen. Der Text ist besonders dann stark, wenn Knapp persönliches Erleben schildert. Als Stilmittel wählt der Autor die persönliche Ansprache der Leserschaft. Entstanden ist so eine assoziative Sammlung von Gedankenanstössen für Burn-out-Betroffene, Angehörige und deren Vorgesetzte. Auch im neuen Buch kommen wiederum Experten zu Wort, die sich aus unterschiedlichster Warte mit dem Thema Burn-out auseinander setzen. Mit dabei sind Niklas Beer, Leiter der Fachstelle für Psychiatrische Rehabilitation der Kantonalen Psychiatrischen Dienste Baselland; Dieter Kissling, Arzt für Allgemein- und Arbeitsmedizin; Andreas Lüthi, Intuitions- und Mentaltrainer sowie Reinhard Schmit, Berufs- und Laufbahnberater. Das Vorwort zum Buch schrieb René C. Jäggi, ehemaliger Präsident des FC Basel und Geschäftsführer des 1. FC Kaiserslautern. |