«Heute», sagt Janine F., ausgebildete Marketingplanerin und allein erziehende Mutter dreier Kinder, «heute haben wir es schön.» Was diesem einfachen Satz Gewicht verleiht, ist die jüngste Vergangenheit der 37-jährigen Luzernerin. Im November 2004, nach Jahren mit Schlafstörungen, Stress und häufigen Erkrankungen, etwa einer Stirnhöhlenentzündung, erlitt sie einen Zusammenbruch. Diagnose: Bum-out – ausgebrannt. Zwei Monate verbrachte sie in einer Klinik; fast ein ganzes Jahr brauchte sie zur Rehabilitation. Janine F. litt an Sehschwierigkeiten, an Erschöpfungsdepression, quälte sich mit Suizidgedanken: «Mein Bord-Computer funktionierte nicht mehr.» Verschlimmernd kam hinzu: Zwei ihrer Kinder, ein Mädchen (7) und ein Zwillingsbube (5), leiden an Geburtsgebrechen. «Ich schaff''s nicht mehr», dachte sie mehr als nur einmal.
Die medizinische Behandlung half wenig. Erst, als paradoxerweise zum Bum-out eine zweite ärztliche Diagnose kam, «ging es gesundheitlich rassig bergauf». Janine F. hat ADHS – das Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Syndrom. «Damit realisierte ich erst, was für Probleme ich all die Jahre hatte.»
Über diese Zeit hat Janine F. nun ein Buch geschrieben. «Ich will frei sein», das im Oltner Lebenshilfe-Verlag Textwerkstatt erschienen ist, handelt davon, wie Janine F. in die Depression und ins Bum-out fiel und daraus herausgefunden hat. Das Buch beschreibt deutlich, welche Anzeichen eines sich anbahnenden Burn-outs die Autorin jahrelang ignorierte. «Das Buch soll den Lesern zeigen, dass es das Leben wert ist, auf solche Anzeichen zu achten», sagt Janine F. «Ich will frei sein» ist aber auch als Lebenszeichen gedacht für all die Freunde, denen Janine F. beinahe zwei Jahre lang nicht erklären konnte, was mit ihr geschehen ist.