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Presseschau - Adliger Info, Dezember 2006

Buch zum Thema «Burn-out» veröffentlicht

Das Leben zu verändern war nötig

Dass sie das Leben wieder geniessen kann, dazu hat für Janine F. das Schreiben wesentlich beigetragen. Seit acht Jahren lebt die Marketing-Expertin in Adligenswil. Sie ist allein erziehende Mutter von Zwillings-Buben und einer Tochter, die die Primarschule besuchen. Eigentlich hatte sie sich für ihr erstes Buch eine andere Thematik ausgemalt, als «Burn-out und ADHS». Der Titel ist 2006 im Verlag Textwerkstatt erschienen.

info Adligenswil: In Ihrem Buch haben Sie in einem sehr persönlichen Bericht Ihre Erfahrungen mit dem Burn-out-Syndrom weitergegeben. Wie sieht Ihre Situation heute aus?
Janine F: Das Burn-out beschäftigt mich auch heute noch. Ich würde es so beschreiben: Die Batterien waren auf null. Jetzt bin ich immer noch dabei, neue Energien zu gewinnen. Ich denke, dass ich momentan zu 90 bis 95 Prozent wieder aufgeladen bin. Das Gebilde ist aber nach wie vor fragil.

Was hat sich gegenüber früher geändert?
Die Situation, die zum Burn-out geführt hat, hat sich eigentlich nicht geändert. Eines meiner Kinder hat ein POS, ein anderes muss regelmässig ins Spital. Diese Schwierigkeiten sind geblieben. Aber mir geht es besser. Ich kann besser planen und strukturieren. Ich habe mir ein soziales Umfeld aufgebaut, das in Notfällen sofort Entlastung bietet. Ich muss nur das Telefon in die Hand nehmen und habe schon organisiert, wer nach den Zwillingen schaut, wenn meine Tochter im Spital ist. Der eigentliche Unterschied heute ist die Struktur, das Auffangnetz.

An welchem Punkt wurde für Sie aus dem Energie-Loch ein Burn-out?
Bei mir hat man von einem Burn-out gesprochen, als ich einen totalen Zusammenbruch hatte. Keiner meiner Sinne funktionierte mehr, ich hatte Hör- und Sehschwierigkeiten und mein Kurzzeitgedächtnis war eingeschränkt. Stellen Sie sich das vor: Ich als Managerin habe auf ein Textblatt gesehen und nichts mehr erkannt. Ich finde das Wort Erschöpfungsdepression für diesen Zustand sehr passend, denn genau das ist es. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung davon, was ein Burn-out eigentlich ist. Vor allem hatte ich Angst, wie alles weitergehen sollte, da ich allein erziehend bin.

Wodurch fühlten Sie sich als Alleinerziehende von aussen unterstützt?
Eigentlich habe ich mich wenig unterstützt gefühlt. Das war auch mein eigener Fehler. Ich habe mich immer mehr zurückgezogen und von der Aussenwelt abgeschottet. Es ist mir einfach zu viel geworden. Ich war sehr unzufrieden, häufig krank und schnell aggressiv. Ausserdem war ich schon vorher ein Mensch, der nicht über Probleme geredet, sondern diese gelöst hat, sofern das in meinem Zustand überhaupt noch machbar war. Wer sollte mich also unterstützen? Ich kann wirklich niemandem einen Vorwurf machen.

Stichwort Burn-out

«Burn-out», übersetzt «Ausgebrannt-Sein», ist eine psychische und körperliche Reaktion auf chronischen Stress. Der Krankheitsverlauf dieses Erschöpfungszustandes kann ganz unterschiedlich sein und Depressionen, Rückzug, Schuldgefühle, körperliche Störungen, Schlaflosigkeit sowie weitere Symptome beinhalten.

 

Adliger Info

Was hätte Ihnen helfen können, das Burn-out zu vermeiden?
Geholfen hätte mir ein Erfahrungsbericht, wie ich ihn herausgegeben habe. Heute kenne ich die Symptome und habe mir Wissen darüber angeeignet, das mir sehr hilft. Ganz wichtig war die Erkenntnis, dass es auch ohne mich geht. Früher dachte ich zum Beispiel, für die nächtliche Betreuung der Kinder kann ich niemanden engagieren, schon aus Kostengründen. Obwohl ich spürte, dass ich dadurch langsam aber sicher ausbrannte. Ausserdem: Wer könnte schon diese Aufgaben übernehmen? Als ich in der Reha-Klinik war, ist es dann auf einmal doch gegangen. Heute hole ich Hilfe. Und ich habe gelernt, Termine abzusagen und vor allem, Nein zu sagen. Wenn ich nicht mehr kann, stehe ich dazu. Dadurch lebe ich ruhiger und entspannter und kann viel mehr geniessen als früher. Letztlich ist vor allem den Kindern nicht gedient, wenn ich ausfalle. Also lasse ich es nicht mehr zu.

Was waren für Sie persönlich die wesentlichen Faktoren, die Ihnen aus dem Burn-out herausgeholfen haben?
Aus meiner Sicht gibt es nur einen Weg: Veränderungen. Ich bin ja aus einem Grund hineingeraten, den musste ich ändern. Mein Körper war der Doppelbelastung durch Familie und Beruf nicht gewachsen. Deshalb musste ich lernen, mein Leben rundum zu verändern.

«Schreiben ist sich selber lesen.» Das hat Max Frisch einmal gesagt. Anfänglich haben Sie nur für sich selbst geschrieben. Wie kam es zum Wendepunkt und dazu, dass Sie begonnen haben, ein Buch für andere zu schreiben?
Ich hatte eineinhalb Jahre fast keinen Kontakt zu meiner Aussenwelt. Ich habe sehr gute Freundinnen und Freunde, die sich in dieser Zeit nach mir erkundigt haben. Ich dachte, später, wenn ich aus dem Haus gehe, dann möchte ich nicht allen die gleiche Geschichte erzählen müssen. Mein Ziel war es, dann in der Gegenwart zu leben und über Erfreuliches zu sprechen. Dieses Problem ist übrigens typisch für ein Burnout. Für Freunde und Angehörige ist es oftmals schwer, dass der Betroffene sich nicht mitteilen kann. Deshalb habe ich, statt zu erzählen, das Buch Freunden und auch meinen Ärzten gegeben. Ein Arzt war der Meinung, mein Bericht könnte auch anderen helfen. Für die Herausgabe habe ich mit Thomas Knapp zusammengearbeitet, der selbst schon Bücher zum Thema veröffentlicht hat. Das hat mir sehr beim Verarbeiten geholfen.

Nicht jeder ist in der Lage dazu, offen über seine Probleme zu reden. Welchen Tipp würden Sie Betroffenen geben?
Das verstehe ich sehr gut. Ich habe auch nicht darüber geredet und auch keine Hilfe geholt. Meine heutige Erfahrung ist einfach: Ich bin noch nie angegriffen worden. Und ich bekomme sehr viel von anderen zurück. Mein Umfeld, Arbeitgeber, Lehrer, alle haben positiv reagiert, denn sie haben mich besser verstanden. Wie geht es Ihnen mit den neu eingeführten Blockzeiten an der Schule? Perfekt! Ich habe das auch im Buch erwähnt. Vorher hatten die Kinder drei verschiedene Stundenpläne. Horror! Jetzt habe ich alle Kinder in der Gruppe B und weiss, von 8 bis 12 Uhr kann ich endlich planen. Für mich ist diese Regelung wirklich perfekt.

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