Dass Bilderbücher nicht nur etwas für Kinder sind, sondern auch Erwachsene fesseln können, zeigt «Flügel für den kleinen Dachs». Der faszinierende Erstling der Bernerinnen Simone Schmid (Autorin) und Deborah Azer (Illustratorin) besticht durch seine eindrucksvollen Illustrationen und das ungewohnte Format. Die Fabel vom Loslassen kann bildlich auf das Leben vieler Menschen übertragen werden. Der Dachs verspürt in seinem Gehege in einem wunderschönen Garten mitten in einer Stadt eine tiefe Sehnsucht. Und dies, obwohl er dort alles hat, was er zum Leben braucht. Oder eben nur fast alles. Erst durch seinen Freund, den Uhu, erfährt der Dachs, was es mit seiner Sehnsucht auf sich hat. Denn der Dachs ist ein Waldtier, kennt aber den Wald gar nicht.
Durch Geschichten, Gerüche, Gegenstände beginnt er den Wald kennen zu lernen und zu vermissen. Der Dachs muss sich entscheiden, ob er seiner beschaulichen kleinen Welt den Rücken kehren will, um in einer neuen Umgebung vielleicht glücklicher zu werden.
Für die 27-jährige Autorin Simone Schmid steht die Geschichte und ihr Entstehungsprozess für echte, uneigennützige Freundschaft. Der Weg in den Wald, der den Dachs lockt, symbolisiert zudem das Erwachsenwerden und die Selbstfindung. (lms)