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Presseschau - Beobachter, 22. Juni 2007

Jetzt kanns nur noch besser werden

Nie hatte die dreifache Mutter Janine F. (Name der Redaktion bekannt) damit gerechnet, einmal in eine Sackgasse zu geraten und sich eingestehen zu müssen: «Die Batterien sind leer, ich kann nicht mehr.» Die Not schlich sich in ihr Familienleben ein. Vier Monate nach der Geburt ihrer heute achtjährigen Tochter diagnostizierten Neurologen ein sogenanntes Dandy-Walker-Syndrom, einen Wasserkopf mit einer Zyste im Hinterkopf und einem schwach ausgebildeten Kleinhirn.

«Ja, sie kann sterben», sagte der Arzt. Aber sie habe auch eine kleine Chance, «ohne sichtbare Behinderung alt zu werden». Nach sechs Operationen und einer Zeit des Bangens kann das Mädchen heute ein nahezu normales Leben führen. «Durch die Leidenszeit entstand eine intensive Nähe», sagt die 39-jährige Mutter heute.

Ein Jahr nach der Geburt ihrer Tochter bringt Janine F. Zwillingsbuben zur Welt. Nach der Freude eine weitere Hiobsbotschaft: Der eine Sohn leidet unter einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung (ADS) und braucht intensive Therapie und Betreuung. Seine heftigen Anfälle brachten sie an den Rand ihrer Kräfte. Als ihr Mann arbeitslos wurde, zeichnete sich der finanzielle Ruin ab. In ihrer Verzweiflung erhöh-te die dynamische Marketingleiterin ihr Arbeitspensum und übernahm sich dabei. Schliesslich war der Vater der Lage nicht mehr gewachsen und trennte sich von der Familie.

 

«Ich dachte, jetzt schaffe ich es nicht mehr», besinnt sich die Mutter. Sie fühlte sich von der Verantwortung erdrückt und griff zu Medikamenten, um überhaupt noch schlafen zu können. Zweimal suchte sie Hilfe beim Sozialamt. Zweimal beschied man ihr, sie habe keinen Anspruch auf finanzielle Unterstützung. Der Umgang mit der Bürokratie wuchs ihr über den Kopf. Nach dem zweiten Nervenzusammenbruch überfiel sie eine Erschöpfungsdepression. In der Rehabilitationsklinik konnte sie sich wieder auffangen.

Eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes des Kantonsspitals Luzern war dann der rettende Anker. Sie sorgte dafür, dass private Stiftungen und Hilfsorganisationen, darunter auch SOS Beobachter, sich an den Kosten für eine temporäre Fachkraft zu Hause beteiligten.

«Während der siebenjährigen Leidenszeit liessen mich die Kinder einen Sinn darin sehen, immer wieder aufzustehen», schreibt Janine F. in ihrem bewegenden Buch «Ich will frei sein – Mein langer Weg aus der Dunkelheit». Manchmal, so sinniert sie, wäre es einfacher gewesen, liegen zu bleiben. Für immer.

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