Die Oltnerin Madeleine Schüpfer schreibt in ihrem neuen Buch «Das Porträt» zehn Erzählungen über Ängste im Alltag.
Eine Frau lässt sich von einem Maler porträtieren. Sie empfindet Scheu, dem Künstler dabei in die Augen zu blicken und zu sagen, was sie wirklich bewegt. Sie befürchtet, ihr Gesicht zu verlieren – eine beklemmende Vorstellung, die sie mit leiser Trauer und einem Gefühl von Verlorenheit erfüllt.
In einer andern Geschichte geht die dunkelhäutige, aus Indien gebürtige Anja an ihrem ersten Schultag nach Hause, allein. Sie trägt stolz ihre bunte Schultasche, die sie geschenkt bekommen hat. Unterwegs wird sie von einem Jungen aus ihrer Klasse angerempelt und als Fremde beschimpft. Er entreisst ihr die Tasche und wirft sie in einen Container.
Das sind zwei Geschichten, die Madeleine Schüpfer in ihrem neusten Buch «Das Porträt» erzählt. In den zehn Erzählungen taucht als Leitmotiv die Angst auf. Beschrieben werden Empfindungs- und Verhaltenssituationen aus Ungewissheit und innerer Anspannung . Ängste, die jäh in uns aufsteigen, lassen sich nicht in Worte fassen, nicht verscheuchen; sie bleiben im Raum stehen, bedrängen und begleiten uns, manchmal für immer.
| Madeleine Schüpfer hat sich als Kulturjournalistin im Raum Olten einen Namen geschaffen. Für ihre kulturjournalistischen Tätigkeiten erhielt sie unter anderem im Jahr 2005 den Medienpreis der Kantone Aargau und Solothurn. |