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Presseschau - Oltner Tagblatt MLZ, 20. November 2007

Menschen gucken uns an

Erlinsbach SO – Frühstück in der Galerie am Bach mit Autorinnenlesung

Eine besonders gestaltete Finissage der Werkschau der Kunstschaffenden Cuno Müller, Kappel, Bilder, Rolf C. Wyss, Härkingen, Skulpturen und Paul Stauffenegger (Stauffi), Madetswil, Bilder, wurde bereichert durch die Lesung der Oltner Schriftstellerin und Journalistin Madeleine Schüpfer. Erstmals lud Galeristin Brigitte Wittwer, Galerie am Bach in Erlinsbach/SO, zu einem Galeriefrühstück in den lichten Galerieräumen ein.

Die «Ausstellung mit vielen Eindrücken und Facetten», wie die Galeristin die Thematik dieser Werkschau bezeichnete, berührte in ihren Aussagen stark. Menschengruppen als Sujet, feine transparente Skulpturensprache in Kreisform oder auch als Spiel mit Kugeln in der Symbiose von Stein und Metall, korrespondierten aufs schönste mit den Wortbildern über Menschen von Madeleine Schüpfer.

Wort und Bild sowie Skulptur verlangten in der sonntäglichen Matinee bei den Anwesenden nach Kommunikation. Den Kunstaussagen war eine Seele durch die Kunstschaffenden eingehaucht.

 

 

Ebenfalls wurde ihnen eine Rolle zugeordnet, wurden sie zum Leben erweckt. Die Wortbilder aus Madeleine Schüpfers «Das Porträt» – durchaus mit Autobiografischem vermischt – machten die Zuhörer auch neugierig auf Mitmenschen. Kunst und Wort berührten, denn Porträts bestimmen menschliches Leben. Madeleine Schüpfer skizziert in den zehn Kurzgeschichten ihres gut 100 Seiten umfassenden Büchleins, erschienen 2007 im Verlag Textwerkstatt, Olten, aus denen sie ihre dichte Lesung bestritt. Menschliche Urängste und Probleme, eigentlich schlechthin Gefühle gewissen Lebenssituationen gegenüber.

Es sind «Porträts», menschliche Empfindungen und Visionen von Hoffnung bis zu quälenden, zermürbenden Ungerechtigkeiten oder Forderungen, die jedem im täglichen Leben begegnen und den einzelnen, gleich welchen Alters, fordern, plagen oder resignieren lassen. Unsere Gesellschaft feiert zwar – wie vor wenigen Tagen – den Tag der Toleranz. Toleranz in der Realität ist aber ebenso wie Zuhören und Zeithaben im mitmenschlichem Miteinander leider vielfach ein leeres weisses Blatt. Spannungsvoll aber feinempfindend schildert die Autorin die verschiedenen Varianten des Ichs, das Empfinden der Zeit als Lebenskunst, angehaltene Augenblicke als Porträt. Aber ein Porträt verlangt andererseits, dass man bereit ist, es lesen zu lernen und das ist gar nicht einfach. Ein Mensch betrachtet jenen der porträtiert, auch hierzu gab die Autorin ein glänzendes Wortporträt.

Das Büchlein mit dem Porträt der Autorin als Buchdeckel lockt das eigene Porträt und jenes des Mitmenschen, in der ganzen Palette menschlichen Seins zu betrachten. (bh)

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