«Meine Mutter ist Schweizerin. Mein Vater ist Ägypter. Ich bin beides. Mit zwei Nationalitäten lässt es sich leben. Doch mit zwei Göttern?» Diese Frage hat sich Nadja Allam schon früh gestellt, lange hat sie aber nach einer Antwort gesucht.
Die heute 39-jährige Oltnerin wurde als Tochter einer katholischen Schweizerin und eines muslimischen Ägypters in der Schweiz geboren. «Ich bin quasi zwischen Morgen- und Abendland aufgewachsen», sagt sie. In ihrer autobiographischen Erzählung beschreibt sie ihren persönlichen Weg zu einem Bewusstsein, das die Gemeinsamkeiten der Religionen höher bewertet als ihre Unterschiede. Sie erzählt ihre Geschichte in einer einfachen Sprache, sie verzichtet bewusst auf Effekthascherei. «Ich wollte ja niemanden verletzen.»
Das Buch ist eigentlich ihr Tagebuch. Allzu Privates hat sie bewusst ausgeblendet. Voyeurismus ist ihr fremd. Dennoch gibt sie einiges von sich preis, damit hat sie sich beim Schreiben manchmal schwer getan.
«Religion hielt sehr früh und in sehr kontroverser Weise Einzug in mein Leben», sagt Nadja Allam. In ihrer Kindheit und Jugend konnte sie damit ebenso wenig umgehen wie mit der Tatsache, dass sich in ihrem Aussehen mehr als eine Nationalität spiegelt. Sie sei halb Europäerin, halb Ägypterin.
In einer Zeit, wo Religion als Thema sehr kontrovers, emotional und fanatisch diskutiert wird, will Nadja Allam mit ihrem Buch einen kleinen Beitrag zur besseren Verständigung von Religionen und Völkern leisten. Immer vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte. Die Auseinandersetzung mit religiösen und traditionellen Konflikten innerhalb der Familie führte sie auf die Suche nach ihrer eigenen multikulturellen Identität. Die Oltnerin mahnt an die Toleranz aller Religionen. «Wir brauchen ein Bewusstsein, welches die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Glaubensrichtungen höher bewertet als ihre Unterschiede », sagt die Autorin. Die Erkenntnis, dass ihre beiden Nationalitäten nicht nur Anderssein bedeuten, war ein unerwartetes, doch bereicherndes und heilsames Resultat ihrer Suche. «Ich bin tatsächlich in mehr als einem Land und einer Religion zu Hause», sagt Nadja Allam. Und sie hat auch eine Antwort auf ihre Frage gefunden. «Mit zwei Nationalitäten lässt es sich ausgezeichnet leben, denn sie beschenken mich mit zwei Heimaten. Und wie ich mit zwei Göttern leben soll, ist eine Frage, die sich nicht mehr stellt.» Nadja Allam lebt heute tatsächlich in zwei Heimaten. Sie ist zu ihrem Verlobten nach Ägypten gezogen. Einem Ägypter, einem Muslim. «Doch ich werde die Brücken hinter mir ganz sicher nicht abbrechen, sondern oft und gern benutzen», sagt die Oltnerin.