Am Anfang gab es eine Schreibübung. Die Schülerinnen und Schüler des Säli-Schulhauses in Olten haben gelernt, Briefe zu schreiben. Gar nicht so einfach in der heutigen Zeit, wie Initiator und Schulleiter Martin Imhof an der stimmungsvollen Vernissage auf dem Pausenplatz und im Schulzimmer meinte. Da wurde schon mal «bis zu zehn Mal» geübt, bevor ein Brief versandbereit war. Das Thema war vorgegeben: Im Hinblick auf die Euro 08 ging es um Fussball. Es blieb aber nicht bei einer Trockenübung. Die Schüler haben die Briefe auch abgeschickt – und viele Antworten erhalten. Von vielen bekannten Persönlichkeiten. Emil beispielsweise hat sich die Mühe gemacht, mit einem handgeschriebenen Brief zu antworten. Auf die Frage von Myriam und Albiona «Sind Sie Hobbyfussballer gewesen» schrieb Emil: «Wenn ich als Schüler Fussball spielte, war ich meistens im Tor – da war ich gut. Auf dem Feld spielte ich mit der Mannschaft vom Zirkus Knie bei meiner Tournee 1977. Meine Gegner waren Ferdi Kübler und Beni Thurnheer.» Letzterer gehört ebenfalls zu den 34 Briefschreibern, deren Antworten nun in Buchform veröffentlicht sind. Originell sein Einstieg: «Ihr habt Fragen! Normalerweise beantworte ich sie nicht einfach so, denn so wie ihr wollen ganz viele Leute immer etwas von mir wissen. Ich kann ja nicht jeden Tag eine Stunde Briefe schreiben. Also, weil ihr so viele seid, mache ich eine Ausnahme.» Auch Bundesrat Samuel Schmid hat sich für einige Zeilen Zeit genommen, für eine Autogrammkarte mit Widmung hats bei Ottmar Hitzfeld, DJ Bobo oder Roger Federer gereicht. Neben dem bundesrätlichen Brief gab es von Schmid übrigens noch je einen Pin für die Schüler sowie einen Ball für die ganze Klasse. Bälle gab es auch von Peter Mucha von der tramondi sport AG in Hägendorf. Im Buch erfährt man auch, welche bekannte Sportlerinnen und Sportler regelmässig im Panorama Resort & Spa in Feusisberg logieren. Und dass die FCB-Präsidentin Gigi Oeri die Oltner Schüler auffordert, nicht nur der Schweizer Nati, sondern auch dem FC Basel die Daumen zu drücken. Bernhard Russi möchte am liebsten ein Halbfinale mit Schweiz gegen Schweden sehen. «Das würde die Familienstimmung deutlich erhöhen», schreibt er. Russis Frau Mari ist Schwedin. Der Betreuer der Schweizer Nati, Fredi Häner, hat nicht geantwortet; er hat gleich die Klasse persönlich besucht.
Auch die «Lokalprominenz» darf im Buch nicht fehlen. Oltens Schulrektor Roland Giger und Stadtpräsident Ernst Zingg haben je eine zweiseitige Antwort geschrieben. Persönlich hat auch der Liedermacher Christian Schenker reagiert. Von ihm erfährt man beispielsweise, warum er keinen Lieblingsspieler hat. Nicht alle Briefe wurden aber beantwortet. Klar doch, dass einige Schülerinnen und Schüler darob traurig sind. Leider keine Zeit fand auch der amtierende Natitrainer, Köbi Kuhn. Schade. Ob er im Januar schon an der ultimativen Mannschaftsaufstellung für das Startspiel gegen Tschechien herumgetüftelt hat? Aber gelernt haben die Schüler trotzdem, wie man Briefe schreibt und Adressen findet. Da kanns schon mal Verwechslungen geben. Ein Brief sollte an den Rapper Bushido gehen, erhalten hat ihn Marc Sigle von der Bushido-Schule für Kampfkunst. Er schrieb zurück: «Bushido steht für die Tugenden der Samurai: Ehre, Gerechtigkeit, Mut. Leider vertritt der Sänger, dem ihr eigentlich schreiben wolltet, diese Werte nicht. In seinen Texten finde ich nichts, was mit Respekt, Ehre und Mut zu tun hat. Deshalb möchte ich mich von ihm distanzieren.» Einige Antworten trafen leider nach Redaktionsschluss ein und konnten im Buch nicht mehr abgedruckt werden, wie jene von Lokalmatador Gökhan Inler (siehe untenstehendes Faksimile). Der Natistar und Udinese-Spieler wurde unter anderem gefragt, ob sich die Spieler nach einer Niederlage in der Garderobe streiten.
Mit dem knalligen Umschlag fällt das Buch auch optisch auf. Auf der Rückseite des Covers ist der Brief an Ottmar Hitzfeld abgedruckt, passend dazu der Buchtitel «Sehr geehrter Natitrainer». Nach der Euro 08 wird der heutige Bayern- Trainer bekanntlich Köbi Kuhn als Natitrainer ablösen. Im Buch sind auch Zeichnungen von Kindergärtelern zu bewundern. Immer mit dem Fussball vor Augen. Gleichzeitig ist das Buch ein kleines Daumenkino. Anstelle von Seitenzahlen fliegt ein Fussball ins Netz. «Mit dem Daumenkino wird jeder Europameister», so die Botschaft im Buch. Erschienen ist das Briefwerk der Primarschule Säli im Oltner Verlag Textwerkstatt. Es ist in allen Buchhandlungen für 14.80 Franken erhältlich