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Presseschau - Glückspost, 25. September 2008

PERSÖNLICH / SCHICKSALE

In Gottes Namen

Eigentlich wollte Maria Gämperle ihr ganzes Leben im Kloster verbringen. Doch in einer Mission in Afrika fand sie in Pater Lukas den Mann fürs Leben. Heute ist die ehemalige Nonne verwitwet, aber alles andere als verbittert.

Vornehm wirkt Maria Gämperle, wie sie so unter der Eingangstüre ihrer Wohnung in Horw LU steht. Schwarze Hose, weisse Bluse mit schwarzen Ornamenten, Brille, dezenter Lippenstift, je eine Perle in den Ohrläppchen. «Kommen Sie herein», sagt die 75jährige. Sie sieht aus wie 60. Ihre Stimme klingt fest, aber sie spricht leise – fast wie in einem Beichtstuhl.

«Ich bereue nichts», stellt Maria Gämperle drinnen, am Kaffeetisch, aber sofort klar. «In meinem Leben habe ich alles aus Überzeugung gemacht.» Ihr Leben ist bewegend.

Maria wächst als elftes von 14 Kindern des Ehepaars Vetter-Huchler im appenzellischen Stein auf. Die Familie lebt an der Armutsgrenze. Mutter Katharina krampft für die Familie, Vater Eugen arbeitet als Naturarzt. Aber er trinkt oft ein Glas über den Durst, und wenn er aus dem «Bären» kommt, ist er aggressiv.

In der Haushaltungsschule in St. Gallen, bei den eingekleideten Schwestern aus dem Dritten Orden des heiligen Franziskus Baldegg, blüht Maria auf. Auch dort lebt sie in einer Gemeinschaft, aber dort ist alles geregelt. Das gefällt ihr genauso wie die Aussicht auf weitere Ausbildungen - falls sie Nonne wird. Am 55. Geburtstag ihrer Mutter, noch keine 17, tritt Maria als Kandidatin ins Kloster Baldegg im Kanton Luzern ein.

Die junge Frau ist glücklich. Sie darf die Handelsschule besuchen, das Hauswirtschafts- und das Arbeitslehrerinnen-Seminar. Mit 20 trägt sie die Klostertracht. Sechs Jahre später legt sie ihr ewiges Gelübde ab, weitere vier Jahre danach reist sie in eine Mission nach Tansania.

 

In Afrika kommt alles anders. «Irgendwann nach Jahren spürte ich, dass ich meinen Chef, den Kapuzinerpater Lukas, liebte», erzählt Maria Gämperle. «Und auch er gestand mir seine Liebe. Trotzdem liessen wir nicht zu, was nicht sein durfte.»

Der erste Heimaturlaub nach acht Jahren Tansania endet in Wut und Verzweiflung. Weil Schwester Marias Gefühle von einer Mitschwester verraten worden waren, darf sie nicht mehr nach Afrika zurück. «Aber zwei Jahre später stand Lukas vor mir und sagte, dass er in Rom um Dispens anfragen werde. Er habe in jüngster Zeit zu viele Machtspiele der Kirche mitbekommen. Für mich war klar: Dann trete auch ich aus dem Orden aus.»

Am 8. Juni 1976 heiraten die beiden, jungfräulich. Doch das Glück des Paares ist beschränkt: Lukas erkrankt 1995 an Parkinson. Maria pflegt ihn aufopfernd, bis er im Jahre 2003 stirbt.

Maria Gämperle streicht sich über die linke Hand. Am Ringfinger trägt sie beide Eheringe. Diese hat sie nach dem Tod ihres Mannes zusammenschweissen lassen. «Nein, eine Strafe Gottes ist es nicht, dass Lukas so früh gehen musste», sagt sie bestimmt. «Gott ist kein Rächer, er ist liebend.»

Die erste Zeit als Witwe sei unheimlich schwer für sie gewesen, gesteht sie. «Bildlich gesprochen, sass ich im Wartesaal eines Bahnhofs, ohne zu wissen, welchen Zug ich nehmen muss.»

Inzwischen findet die «gläubige Christin» neue Kraft – im Malen, Buchbinden und Gedichte schreiben. Und ihren Lukas trägt sie jeden Tag im Herzen. «Ich glaube, wir waren uns so nahe und vertraut, weil wir den Hintergrund im Kloster hatten.»

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