Capus legt uns ein solches Vorhaben mit zwiespältigen Lobreden auf seine Stadt nah: Olten ist Provinz, und die Eisenbahner wissen das auch: Wo direkte Züge nach Paris, Hamburg, Moskau und Neapel abfahren, «da ist die Gefahr gering, dass provinzielle Selbstgefälligkeit überhandnimmt», behauptet Capus im Text «Wir sind alle Eisenbahner». Das fahrplanmässig Zuverlässige habe die Stadt geprägt, nicht das Genie: «Plant Olten mal eine Flaniermeile am Flussufer, wird's zum Schluss immer nur ein Imbissstand.»
Seien wir ehrlich: Namen sind austauschbar. Romanshorn oder Gossau zum Beispiel wäre genauso passend, mit Blick auf Markt- und Bahnhofplatz auch St. Gallen. «Der Stadtpräsident findet es nicht gut, wenn man Dinge nicht gut findet» geht überall. Und in welcher Provinz ist nicht der Spott über die Polizisten billig? Aber gut, einen Kater, der Türen öffnet und über die Autos in der Fussgängerzone herrscht, das haben wir nicht – der König von Olten soll hochleben, maunz!
Alex Capus hat die Gabe, solche Geschichten vom Kater, vom Stripper mit dem Holzbein, von der «Stadtbad»-Wirtin und den ungekämmten Greenpeace-Mädchen, vom einstigen Wernli-, Sunlight- und Von-Roll-Geruch, ja sogar vom Nebel hinreissend zu erzählen. Die gesammelten Texte sind zwischen 2002 und 2009 für Zeitungen und Zeitschriften entstanden. Es ist Lesefutter, das mit dem berühmten Körnchen Wahrheit unterhält. Auch in den Provinzen ausserhalb Oltens. Denn «Grossstädte wie Zürich oder Berlin sind auch nichts weiter als zehn oder hundertmal Olten hintereinander». Namen sind austauschbar.