Diese Oden an Olten werden vor allem die Oltener mit grosser Anteilnahme lesen und vielleicht auch noch andere Menschen aus dem solothurnischen Umfeld. Zumal Solothurn auch Thema eines liebevollen Textes ist, der die Unterschiede der kunst- und kulturgeschwängerten Kantonshauptstadt zu dem eher nüchternen Olten darlegt. Und eisenbahntechnisch da hat Capus ganz recht sind wir sogar alle irgendwie Oltener. Witzig sind Capus' Storys und Gedanken allemal.
Doch als Nicht-Oltener hat man fast noch mehr Spass an den Texten im zweiten Teil des Buches, wo Capus zu allgemeinen Themen schreibt wie Gartenzwerge, Nebel oder die Gefühlswelt von Frauen. Besonders amüsant ist etwa die leicht nostalgische Reminiszenz an pubertäre Erlebnisse mit einem weinerlichen dänischen Hippie, die dann Monate später in einer massiven kulturellen Desillusionierung enden. Und mit der gelungenen Satire über den «Hooliganismus älterer Damen» hat er beim ersten Erscheinen offenbar viele wütende Zuschriften von betagten Menschen erhalten. Was ihn dann zur Replik über den «Hooliganismus jüngerer Schriftsteller» bewog. Nicht hier, aber an anderen Stellen etwas bemühend ist höchstens Capus' Tendenz, das eigene Schriftstellerdasein pseudoironisch zu thematisieren. Aber diese kleine Eitelkeit sei ihm ob der vielen schönen Beobachtungen und des sprachlichen Witzes verziehen.