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Presseschau - Oltner Tagblatt, 9. Mai 2009

Einer hat das Schild sicher abgeschraubt

Alex Capus' «Der König von Olten» lässt Heinrich Zumbrunnens Erinnerungen wach werden

Vor zwei Wochen ist das neue Buch von Alex Capus erschienen, jetzt liegt «Der König von Olten» bereits auf Rang zwei der Schweizer Bestsellerliste. Darüber hinaus macht das Buch Erinnerungen «alter Oltner» lebendig. So auch bei Heinrich Zumbrunnen.

Abgeschraubt habe ers seinerzeit, sagt Heinrich Zumbrunnen. Und schiebt hinterher: «Natürlich nicht ohne zu fragen.» Die Rede ist vom «Bäder»-Schild des Oltner Restaurants Stadtbad; vielleicht eines jener drei Schilder, welche Autor Alex Capus in seinem Bestseller «Der König von Olten» im felsigen Untergrund unterhalb des Restaurants bei einem seiner archäologischen Aare-Ausflüge gefunden haben will. Auf den Seiten 68 und 69 ist nachzulesen, dass er mit dem «Bäder»-Schild in triefender Badehose zur Stadtbad-Wirtin ging, um dessen Herkunft zu ergründen. Und siehe da: Auf alten Fotos war das kleine Emailschild deutlich zu erkennen, war unter der Lupe das Wort «Bäder» eindeutig zu entziffern. Und der alte Stadtbad-Wirt habe sich auf Anfrage gar zu erinnern geglaubt, dass das Schild beim Umbau zu Beginn der Siebzigerjahre von einem Arbeiter abgeschraubt und dann wohl in die Aare geworfen worden sei.

 

Ein Glücksbringer

Soweit also Capus prosaische Version des «Bäder»-Schildes: Abgeschraubt wurde das Schildchen also tatsächlich; aber nicht von einem Bauarbeiter. Heinrich Zumbrunnen war damals gut 20-jährig, Student, und im Stadtbad ein regelmässiger Gast. «Bevor die Umbauarbeiten begannen, habe ich Hans Gerhard, den einstigen Wirt, gefragt, ob ich das Schildchen haben dürfe», so der nachmalige Besitzer. Er durfte. «Es war so etwas wie ein Gag», erinnert sich Zumbrunnen. Das habe man damals einfach so gemacht. Aber das handliche Emailrechteck, auf dem in kleiner Schrift unten rechts noch der Name des Herstellers beziehungsweise des Vertreibers zu lesen steht, Victor Meyer, Olten, nämlich, «ist mir in all den Jahren ans Herz gewachsen», sagt er. Jedenfalls liegt das Fundgut seither in seiner Pultschublade. Als Glücksbringer? «Wenn man so will», sagt er schmunzelnd. Und das seit rund 35 Jahren.

Ein Vollbad für zwei Franken

Das «Bäder»-Schild übrigens prangte nicht einfach so im Stadtbad. Denn wie der Name des Restaurants verrät, beherbergte es bis zu Beginn der Siebzigerjahre noch eine Badanstalt. Drei Wannen standen Badewilligen zur Benutzung frei. Zumbrunnen selbst kannte zwar niemanden aus der Stadt, der dort je ein Bad genommen hätte. «Aber wenn ich mich richtig entsinne, kostete das Vollbad zwei Franken; wurde Seife des Hauses gewünscht, kamen noch vierzig Rappen dazu», sagt der Mann, der in Olten gross wurde und mittlerweile in Trimbach wohnt.

Er hält es auch durchaus für möglich, dass mehr als ein solches Emailschild im ganzen Stadtbad vorkam. Gesehen habe er seinerzeit nur eines. «Nämlich meines» - sagt er amüsiert. Aber «Der König von Olten» habe ihn an speziell diesen Moment vor 35 Jahren erinnert. Als er aus Nostalgiegründen oder vielleicht bloss aus einer Laune heraus das Schildchen abmontierte, bevor anderntags einer in triefender Badehose hereinspazierte und nach der Herkunft des mitgeführten Schildchens fragte. Es wäre nicht das selbe gewesen. Denn Zumbrunnen hat das seine – dem Vernehmen nach – nie ins Wasser geworfen.

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