Dem Kultur- und Museumsverein Niederbipp (KMV) ist es gelungen, einen schweizweit bekannten Schriftsteller für eine Lesung zu engagieren. Der bekannte Oltner Schriftsteller Alex Capus bescherte somit der Zuhörerschaft im Räberstöckli Niederbipp einen wunderbaren Abend - und der Reporterin eine spezielle persönliche Begegung.
Gleich bei der Begrüssung von Angesicht zu Angesicht trat sie ins erste Fettnäpfchen: «Guten Abend Herr Gapüs, ich schreibe für die Zeitung.» Mit etwas skeptischem und doch spitzbübischem Blick wurde zurückgegrüsst.
Es trafen immer mehr Gäste beim Räberstöckli in Niederbipp ein. «Ah, hallo Herr Gapü, «schön, dass Sie heute Abend da sind, Herr Gapü». Oje, also Gapü ohne «S» ausgesprochen. Wie soll man das denn so genau wissen, da die Stadt Olten ja so weit von Niederbipp entfernt ist.
Und zudem erscheint der Name Capus in Olten nur gerade ein einziges Mal im Telefonbuch. Unter Capus Alexandre, und nicht etwa Alexander, wie die nun nachhaltige Recherche der Reporterin ergab.
Nach der offiziellen Begrüssung durch Matthias Witzler vom KMV folgte gleich der zweite Streich. Ein Foto muss her, schliesslich soll dieser Bericht ja etwas hergeben. «Sie können ja gleich zu Beginn eines machen, dann ist es ja erledigt», meinte Capus.
Gesagt, getan. Obwohl erst beim einleitenden Gespräch, huscht man schnell nach vorne, klick und klick und nochmals klick. Alex Capus kann gerade noch rechtzeitig sein Büchlein «Der König von Olten» in die Finger kriegen, scheint etwas überrascht über diesen unerwarteten Frontalangriff. Nun ja, die Berner sind halt schneller als erwartet.
«Ich komme von Olten, und von Olten kommt fast niemand – obwohl, wir haben zwei Autobahnen, einen überdimensionalen Bahnhof und einen Fluss mitten durch die Stadt vorzuweisen», erzählt Capus. Sein Haus habe er vor neun Jahren gekauft, sein Arbeitszimmer im Dachgeschoss eingerichtet, wohlwissend, dass er dort ungestört arbeiten könne, da seine vier Söhne diese vielen Treppen wohl nie erklimmen würden um in sein Himmelreich zu gelangen.
Falsch gedacht, heute arbeite er oft mit einem Kind auf dem Schoss, der nächste komme heulend, da er sich geschnitten habe. «Und trotzdem, oder gerade deshalb, sehe ich es als grosses Privileg an, so arbeiten zu dürfen.»
Im neuesten Werk von Alex Capus geht es, wie der Titel schon sagt, um die «Destination» Olten. Olten hat Helden, Olten bietet ein tragisches wie komisches Pflaster an, Olten ist Heimat. «Viele meinen sich in meinen Werken wiederzuerkennen, klopfen mir auf die Schulter und sagen: Da hast du mich ja schön geschildert in deinem Roman. Aber gerade diese habe ich gar nicht gemeint und umso erstaunter bin ich jeweils. Die, die gemeint sind, erkennen sich nie, ausser ich würde noch ihre Telefon- und AHV Nummern dazuschreiben», sagt der Oltner Kosmopolit.
Da gibt es nichts zu lachen, Olten scheint nach Capus eine Welt in der Welt zu sein, facettenreich und Abenteuer pur. Und so ist es wirklich, denn die feinfühlig ironischen Schilderungen bringen den Leser dazu, mit dem Blick nicht in die Ferne zu schweifen, sondern ganz genau hinzusehen – sozusagen direkt vor die eigenen Füsse.
Alex Capus erscheint im Auge des Betrachters zuerst als bodenständiger Nachbar von nebenan. Dieses Bild vermittelt er vordergründig, und er versteckt sein grandioses Können gekonnt vor allzu neugierigem «In-ihn- hineinschauen-Wollen». Diesen Blick gibt er sicher nur ganz nahen Personen frei.
Umso mehr ist er ein brillanter Geschichtenschreiber und Erzähler. Die Lesung mit Alex Capus war ein vergnüglicher Abend sondergleichen, und wer mehr von ihm wissen will, der besorge sich das kleine Büchlein «Der König von Olten». Wer zwischen den Zeilen lesen kann, der wird Capus' Liebe zu Olten und deren Charaktere entdecken. Und wer ein echter Oltner ist, der begnügt sich nicht nur mit dem anschliessenden Verkauf seiner Literatur nach einer Lesung, nein, er signiert sie auch noch! «Und ich schreibe sogar noch: "Für mein Grosi"», sagte er so, wie es nur ein Capus aus Olten sagt.
Übrigens: Zum Einkassieren genügte ihm ein einfaches Weidenkörbchen. Bescheiden eben, diese Oltner.