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Presseschau: Coop Zeitung, 29. Juli 2009

«Olten ist überall»

Alex Capus hat in der Coopzeitung über den «König von Olten» zu schreiben begonnen. Jetzt ist aus den Geschichten ein Bestseller geworden.

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Coopzeitung: Der «König von Olten» stand auf Platz 1 der Schweizer Buch-Charts – was ist da passiert?
Alex Capus: (lacht) Das ist die allergrösste Überraschung für uns. Das Buch ist ja im kleinen Oltner Knapp-Verlag erschienen. Thomas Knapp und ich, wir haben zusammen den Kindergarten besucht. Er ist ein Oltner Verleger, ich bin ein Oltner Schriftsteller – wir dachten, jetzt machen wir mal zusammen ein Buch. Wir haben aber nie geglaubt, dass sich das ennet Trimbach und Wangen auch noch verkauft.

Die «Weltwoche» hat Sie als die «Stimme der Nichtleser» bezeichnet. Ich nehme das als schönes Kompliment. Die Leute sagen mir: «Ich lese sonst keine Bücher, aber das habe ich jetzt gelesen und es hat mir gefallen.» Gibt es etwas Schöneres?

Was hat es auf sich mit der Katze, die der König von Olten ist?
Das Ganze hat ja als Coopzeitung-Kolumne angefangen. Ich habe mal eine erste Folge geschrieben über den Herrn Zeltner, meinen Nachbarn, und die Katze. Daraus hat es sich entwickelt. In der Coopzeitung hat das eine Eigendynamik angenommen. Ich habe fast ein Jahr lang über diese Altstadt-Katze geschrieben, eben den König von Olten, der übrigens überall seine Prinzen hat.

Was interessiert Sie an Figuren wie dieser Katze oder dem Herrn Zeltner?
Es ist die grosse Nähe zu den Menschen, die ich genau kenne. Ich weiss, wie ihr Haus aussieht und wo sie ihr Tessiner Brot kaufen. Das gibt eine Vertrautheit und Intimität, die einem hilft, etwas Schönes zu schreiben, das andere nachempfinden können.

Viele Dichter werden zum Nestbeschmutzer, wenn sie über ihre Heimat schreiben – sind Sie ein Heimatdichter?
Ich bin auch schon als Nestbeschmutzer von Olten bezeichnet worden, vom Stadtpräsidenten zum Beispiel. Das kann es schon geben. Ich glaube, es ist wichtig für einen Schriftsteller, dass man sich bei aller Liebe nicht vereinnahmen lässt, dass man unabhängig und unbestechlich in seiner Beobachtung bleibt. Trotz der Nähe – das ist das Kunststück. Wenn man zum Heimatdichter wird und den Ort nur noch in einem verklärten, rosa Licht sieht, dann hat man als Künstler verloren.

Trotzdem: Haben Sie ein ungetrübtes Verhältnis zu Olten?
Ich habe ein gutes Verhältnis zum «Schtettli» und ich glaube, das gilt auch umgekehrt. Manchmal gibt es auch Ärger, aber bei einer so alten Liebe sollte man das verkraften können.

Ist Ihr Olten das wirkliche Olten oder eine Art Seldwyla?
Es hilft, wenn man etwas genau kennt, wenn man darüber schreiben möchte. Olten ist wie Aarau, Burgdorf, Wil oder Moutier – Olten ist überall. Da gibt es nur kleine Unterschiede. Und die grösseren Städte sind einfach zehn Mal Olten hintereinander. Der Mensch ist überall der gleiche.

 

Einige Ihrer Bücher spielen in Afrika, «Munzinger Pascha» zum Beispiel, oder «Eine Frage der Zeit». Warum Afrika?
Was mich interessiert, sind Geschichten über Menschen. Ob die in Olten wohnen oder in Honolulu, das ist mir gleich. Das Objekt ist dann ja nicht Afrika, sondern meine Helden. Munzinger Pascha, das war ein Oltner, den es wirklich gegeben hat. Für ihn interessiere ich mich, seine Konturen treten in der Fremde einfach umso schärfer zu Tage.

Sie haben sich in letzter Zeit in die Politik eingemischt in Olten. Warum?
Es gab einen konkreten Anlass: Das weitere Schicksal einer ehemaligen Zementfabrik, die ich seit vielen Jahren mit meinen Kindern als Robinson- Spielplatz gebraucht habe, und wo jetzt dann mal etwas passieren muss. Die Behörden von Olten haben da einige Chancen verpasst. Es hat mit mir persönlich zu tun, vielleicht mit dem Lebensalter. Ich bin jetzt Ende 40 und habe mich bisher mehr um meine Familie und meine Schriftstellerei gekümmert und muss mir jetzt eingestehen, dass das nicht ganz ausreicht. Dass man sich also als Bürger in diesem Staatswesen engagieren muss. Ich habe mich deshalb eingemischt in die Debatte um die Zementfabrik und kann jetzt nicht einfach wieder aufhören.

Es ist also nicht so sehr ein politisches als ein persönliches Engagement?
Nicht persönlich, aber lokal. Der Anstoss ist eine konkrete, lokale Frage. Im Lokalen ist die Sachpolitik greifbar. Es geht um Sachfragen, das ist das Schöne daran. Ich möchte keine ideologischen Debatten führen. Auch weil man in den letzten Jahrzehnten immer wieder gesehen hat, dass sich auch grosse Schriftsteller mit grossem Pathos verrennen können, wenn es um Ideologie geht.

Sie haben vier Kinder – lesen Ihre Kinder Ihre Bücher?
Der Älteste, er ist 19, der liest sie und gibt danach jeweils einen wortkargen Kommentar ab. Die anderen Kinder lesen noch nicht.

Und Ihre Frau?
Sie möchte, dass ich gelegentlich eine Pause mache. Ich habe in elf Jahren immerhin elf Bücher gemacht und das ist schon etwas viel. Zuweilen merke ich, dass ich müde bin. Gerade wenn ich noch lange auf Lesereise muss. Da wäre es schon gut, wenn ich mal zwei, drei Monate kürzer treten könnte.

Sie arbeiten aber bereits an Buch Nummer 12?
Ja. Es ist ein Roman, der bis in einem Jahr fertig sein soll.

Gibt es keine Fortsetzung zum «König von Olten»?
An den König von Olten anzuknüpfen wäre ganz falsch. Das hatte mehr Erfolg, als man sich wünschen könnte – es könnte aber nur schiefgehen, wenn man da eine Fortsetzung schreiben würde.

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