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Presseschau: Willisauer Bote, 25. August 2009

Der Hirsch(i) auf lustvoller Pilzjagd

Reiden – Urs Hirschi veröffentlicht sein zweites Buch «Pilziges – Lust und Frust beim Sammeln von Speisepilzen»

Wo lohnt es sich nach Pilzen Ausschau zu halten und wie brutzelt ein Pilzkopf mit Sti(e)l in der Pfanne? Urs Hirschi lüftet in seinem Buch so manches Geheimnis. Doch eines verrät auch er nicht.

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«Ein kleiner Pilz kann Weltgeschichte schreiben», sagt Urs Hirschi und zeigt auf den weissen Knollenblätterpilz, der sich durch Langnauer Erde ans Licht gebohrt hat. Dieser hochgiftige Hutträger wandert nicht in seinen geflochtenen Korb, gibt auf dem Waldspaziergang aber Gelegenheit für eine Anekdote. Angeblich soll Kaiser Nero nur durch ihn an die Spitze des Römischen Reiches gekommen sein – die böswillige Essensbeigabe seiner Mutter regelte die Thronfolge, machte sie zur Witwe und ihren Sohn zum (Schreckens)-Herrscher.

Ein Jäger unterwegs mit einer Sammlerin

Über Mord und Todschlag geht es in Urs Hirschis Buch nicht. Dies obwohl er bis zu dreimal pro Woche mit dem Messer in den Wäldern rund um Reiden unterwegs ist. Hirschi erzählt in seinem zweiten Buch, wie er vor 30 Jahren erstmals auf die Pilzpirsch ging, ihn das Hobby in seinen Bann zog und sein Bücherregal einen pilzigen Schunken nach dem andern zu beherbergen begann. «In die Wunderwelt der Pilze einzutauchen ist eine faszinierende Angelegenheit», sagt Urs Hirschi. Durch den Wald zu streifen sei extrem beruhigend, ein Ausgleich zum oft hektischen Alltagsleben. Das Wandern über Moos und Baumstämme halte zudem fit. «Im Gegensatz zu Hundehaltern können wir selbst bestimmen, wann wir unser Fitnessprogramm absolvieren», sagt Hirschi und lacht.

Die Freuden und Leiden eines «Pilzjägers»

Auf 112 Seiten schildert der 64-Jährige die freudvollen Momente, wenn ein Hirsch(i) ausgerüstet und mit gutem Schuhwerk durch den Wald tigert. Hirschi, der schreibende Sammler? «Ich bin eher der Jäger-Typ. Meine Frau Christa hingegen ist eine leidenschaftliche Sammlerin.» So erfreut er sich an den Funden, seine Frau am Pflücken. Und er verhehlt nicht, dass er seine bessere Hälfte hie und da auch etwas bremsen müsse, damit er nach dem Waldgang nicht den Koller bekommt. «In unserem Haushalt sind die Rollen klar verteilt. Meine Frau betreibt ein Vorhangatelier, ich bin der Hausmann. So liegt die Rüstarbeit in meinen Händen.»

Vom Waldgang auf den Bürostuhl

Fingergymnastik war angesagt beim Tippen seiner Pilzgeschichte(n), die der einstige Architekt und heutige Grafiker selbst illustrierte. Die mit Aquarellfarben und Tusche kunstvoll gestalteten Pfifferlinge, Milchlinge und Röhrenpilze machen sein Buch zum Hingucker. Die Zeichnungen lockern die süffig geschriebenen Geschichten auf, in denen der Autor auch das Leid eines jeden Pilzsammlers klagt: Plündernde Pilzrowdies, lästige Zecken, gefrässige Maden und Dauerläufe mit leerem Korb.

 

«Pilze sind Individualisten. Sie halten sich kaum an Regeln. Mal schiessen die Fruchtkörper wortwörtlich wie Pilze aus dem Boden, manchmal herrscht kaum nachvollziehbare Flaute», sagt Urs Hirschi. Alte «Hasen» hätten sich eigentliche Pilzreviere zugelegt. Wo sie sich befinden, gilt bei den Pilzlern als wohl best gehütetes Geheimnis. Auch bei Hirschi.Einen Tipp hat er trotzdem auf Lager: «Wenn Sie im Wald eigenartige Markierungen wie geformte Dreiecke oder Quadrate aus Zweigen bemerken, lohnt es sich, ganz genau hinzusehen», schreibt er in seinem Buch.

Viele Tipps und noch mehr Rezepte

In «Pilziges – Lust und Frust beim Sammeln von Speisepilzen» ist sowohl die humorvolle als auch die nachdenkliche Seite des Autors spürbar. Der nachhaltige Umgang mit den Wundern der Natur, die faszinierende Welt der Pilze, ihre Farbenpracht oder das lustvolle Versteckspiel mit immer gleichen Rollenverteilungen stecken zwischen den Deckeln. Es ist kein Bestimmungsbuch, verzichtet auf Fachbegriffe und Pilzlerlatein. Doch wer mit dem Gedanken liebäugelt, sich das Hobby in einem Pilzverein (siehe Kasten) anzueignen, ist mit Urs Hirschis Buch wohlbedient. Zwischen den Zeilen sind zahlreiche Tipps herauszulesen. Wo sucht Mann und Frau am besten nach Speisepilzen? Und wie wird der Pilz im Korb zum Gaumenschmaus auf dem Teller? Hirschi hat in seinem Buch das Rezept dafür. Gleich mehrfach. «Zander auf Wirz mit Steinpilzkartoffelstock», eine feine «Stockschwämmchensuppe» oder pfiffige «Spaghettis mit Trompetenpilzen». Hausmann Hirschi schreibt wies geht und überzeugte damit auch seinen Verleger, Thomas Knapp.

Pilzjagd statt Leserfang

«Urs Hirschis spielerischer Umgang mit der Sprache, kombiniert mit den Kochrezepten und den schönen Illustrationen, machen das Buch zum idealen Gschenk», sagt Knapp. Ob er wie bei der Herausgabe von Alex Capus Bestseller «König von Olten» eine gute Nase bewiesen hat, wird sich zeigen. Vorderhand erscheint das pilzige Buch in einer Auflage von 1500 Stück. Dessen Autor lässt sich von Verkaufszahlen nicht verrückt machen. «Es ist Saison. Ich widme mich lieber der Pilzjagd als dem Leserfang.»

Der zweite Streich

Urs Hirschi (64) ist in Trimbach aufgewachsen. Nach der Lehre als Hochbauzeichner bildete er sich an der Kunstgewerbeschule Basel (Fachklasse für Innenarchitektur) weiter. 1976 eröffnete er sein eigenes Architekturbüro. Krankheitsbedingt musste er 1995 seine Selbstständigkeit aufgeben. Seither arbeitet und lebt er als zeichnender und schreibender Hausmann im luzernischen Reiden. Sein erstes Buch HausMannsKost wurde begeistert aufgenommen. Nun legt er mit seinem zweiten Werk nach. «Pilziges – Lust und Frust beim Sammeln von Speisepilzen» umfasst 112 Seiten, wurde vom Autor selbst illustriert und enthält neben Urs Hirschis Geschichten rund ums Pilze sammeln zahlreiche Kochrezepte.

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