«Lust und Frust beim Sammeln von Speisepilzen» heisst der Untertitel von Urs Hirschis zweitem Buch, das den Namen Pilziges trägt und mit persönlich erprobten Rezepten ergänzt ist. Es kommt heute Samstag in den Buchhandel.
Wer hat schon die Idee gehabt, eine Liebeserklärung an Pilze zu schreiben, an jene kleinen, oft unscheinbaren Bewohner des Waldes, die dem Menschen köstliche Genüsse bereiten, ihm aber auch zum Segen oder Fluch werden können, die Leidenschaft wecken oder als Mittel dienen, aus Leidenschaft zu töten. Urs Hirschi deutet in seinem Buch solche Möglichkeiten an, vor allem aber schreibt er auf über hundert Seiten, was ihm die Pilze und der Wald bedeuten. Er beschreibt ein Hobby, dem er und seine Frau seit dreissig Jahren zusehends verfallen sind, er als «Jäger», sie als Sammlerin.
Das ist wohl ein Unterschied, der den Reider Autor von vielen Pilzlern trennt: die Emotion, die Pilze in ihm wecken, mit der er sie sucht, sie findet, sie heimträgt, putzt und kocht und konserviert. Davon handelt das Büchlein mit den zarten Pilz-Porträts, alles Individuen, die keinen Anspruch erheben, allgemein verbindlich zu sein für ihre Art und deshalb nicht zur Bestimmung missbraucht werden dürfen.
«Mein Buch ist kein Fachbuch, davon gibt es zur Genüge, es geht mir auch nicht speziell um Kochrezepte», schränkt Urs Hirschi ein, «ich will nur weitergeben, was Pilze für mich seit drei Jahrzehnten in zunehmendem Mass bedeuten: Geschöpfe der Natur, die der Mensch betrachten, bewundern und nutzen kann.» Vor allem aber achten. Deshalb kann der Schreiber und Zeichner nicht begreifen, wenn er ausgerissene, weggeworfene, zertretene Pilze entdeckt, wenn er Horden von Sammlern begegnet, die im Wald nur billige Nahrung suchen und das meiste beim Pilzkontrolleur zurücklassen müssen.
Urs Hirschi schreibt vom Kribbeln, das ihn und seine Frau packt, sobald sie ihren Fuss in den Wald setzen, wenn ihre Sinne geschärft sind, wenn sie sehen, hören, riechen und schliesslich erbeuten, was er an Schätzen birgt.
Vom Pilze-Sammeln rund ums Jahr erzählt er, vom Wandern auf unbekannten Wegen, aber auch vom Aufsuchen der Plätze, wo er jahrelang fündig wurde und plötzlich kein Pilz mehr wächst. Das ist dann der Frust des Jägers. Viel grösser aber ist die Lust, die ihn nach der «Jagd» als Koch erfüllt, wenn er endlich die gerüsteten Pilze sortiert vor sich hat, wenn er sich an ihrem festen Fleisch, an ihrer Farbe und Form erfreut und die Namen nennt, die ihnen gegeben wurden, manchmal in mehreren Varianten, so dass die Identifizierung schwierig ist. Wer weiss schon, dass der Kapuziner ein Birkenröhrling ist? Wer kennt den Hochthronenden Schüppling und den Mäuseschwanzrübling? Wohl nur Experten. Urs Hirschi richtet sich aber nicht an die Systematiker, sondern an Liebende, wie er selber einer ist. Ihnen will er etwas von seinen Erfahrungen im Wald und in der Küche vermitteln und ihnen den Blick in eine Welt öffnen, die voller Geheimnisse ist.
Nur wer sich Zeit nimmt, findet den Zugang in die Welt der Pilze, nur wer aufmerksam den Wald durchstreift, entdeckt die besonderen Merkmale der für ihre Bewohner typischen Standorte und sucht Pilze nicht in einem ihnen unpassenden Lebensraum. All diese Kenntnisse hat sich Urs Hirschi in vielen Jahren angeeignet und dabei die Hilfe der Fachliteratur in Anspruch genommen, von Pilzkontrolleuren (www.vapko.ch) und des Pilzvereins Murgenthal & Umgebung (www.vsvp.ch). Mit dem Büchlein Pilziges erleichtert er den Weg zum Hobby-Pilzler, und er lädt dazu ein, seine selbst erprobten Rezepte nachzukochen - damit die Emotion beim Sammeln durch den Genuss beim Essen gekrönt wird.
«Pilziges - Lust und Frust beim Sammeln von Speisepilzen» von Urs Hirschi, Knapp Verlag 2009, ISBN-10:3-905848-13-9.