Wenn es im Pfarrhaus ein Grotto gibt und wenige Meter daneben der Teich, der sich «Lago di Merlot» nennt, ist es naheliegend, dass sich in diesem Teich kein Wasser, sondern Merlot befindet. Und wenn Pfarrer Hanspeter Betschart das in keiner Silbe in seinem Buch «Das Grotto im Oltner Pfarrhaus» erwähnt, muss davon ausgegangen werden, dass das, was hier so leise plätschert, tatsächlich Merlot ist. (Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...) «Nein, es ist wirklich nur Wasser im Teich», sagt Hanspeter Betschart, der genau am 15. Oktober 1988 Pfarrer in Olten wurde. Ein schreibender Pfarrer: Sein Büchlein, das er am Montagabend (natürlich beim Lago di Merlot) einem grossen Publikum vorstellte, ist sein fünftes Werk.
«Ein Hintergrund ist, dass die Oltner St. Niklausgruppe mir im Pfarrhaus ein Grotto baute», sagt Pfarrer Betschart. «Ein weiterer Grund ist, dass ich seit 20 Jahren Generalvertreter für Tessiner Merlot aus Lugano bin.» (Merlot dal Convento dei Cappuccini aus dem Kloster in Lugano, die Red.) So wurde der hintere Teil des Gartens beim Pfarrhaus zu einem rollstuhlgängigen Park umgestaltet, vor allem für die Bewohner des Altersheims St. Martin. Aber auch für die Pfarrei. Und dann baute man im Park diesen Teich: den Lago di Merlot. Und bei diesem Teich, in dem kein Merlot sein soll, stellte Pfarrer Franz Betschart am Montagabend sein neustes Buch vor. Weshalb schreibt ein Kapuziner schon zum fünften Mal ein heiteres Büchlein, wenn doch der heilige Ordensstifter Franziskus von Assisi im 20. Kapitel seiner «Ermahnungen» diese gestrengen Worte vorschreibt: «Wehe jenem Ordensmann, der an müssigen und leeren Worten sein Vergnügen hat und damit die Menschen zum Lachen reizt.» Im «Das Grotto im Oltner Pfarrhaus» schreibt Hanspeter Betschart wahre, herzliche und witzige Geschichten aus dem Pfarrhaus. Übrigens: Gregor Müller hat das Ganze originell illustriert («Ich werde Milch trinken, wenn die Kühe Trauben fressen»). Die heiteren Erzählungen wissen zu begeistern: elf Kapitel Unterhaltung pur. Und wie jeder, der ein Buch schreibt, hofft Hanspeter Betschart, dass sich dieses auch gut verkauft. Nicht um ihn reich zu machen, nein, der Pfarrer hat ein grosses Herz und tut mit seinen Büchern viel Gutes: Mit dem Erlös wird ein SozialZentrum für geistig behinderte Jugendliche in Libanon unterstützt. (Das Buch ist im Knapp Verlag erschienen.)
Hanspeter Betschart, der schreibende Pfarrer, verfasst aber nicht nur heitere Geschichten, er schreibt auch Lehrbücher für alte Sprachen. «Im Moment schreibe ich an einem griechischen Buch, dann werden meditative Texte folgen», sagt Hanspeter Betschart. Legendär sind auch seine Radiopredigten und auch die CD «Fasnachtspredigt» hat Betschard dieses Jahr veröffentlicht. Ein umtriebiger Mensch gemäss dem Motto im Grotto: «Wein ist der Pulsschlag des Herzens und der Liebe.»
Kommentar von Fredi Köbeli
Keineswegs ein Sünder
Es ist schön, wenn Menschen schreiben. Es ist noch schöner, wenn Menschen unterhaltend schreiben. Und wenn der Mensch, der unterhaltend schreibt, auch noch ein Pfarrer ist, ist das ganz einfach klasse. Wenn der Oltner Stadtpfarrer Hanspeter Betschart in seinem Buch «weinselig beschwingt zu träumen beginnt», macht ihn allein diese Aussage keineswegs zum Sünder, sondern ganz einfach sympathisch menschlich. Und Walter Ludin, Kapuziner und Journalist, trifft mit seiner Aussage den Nagel auf den Kopf: «Wer über sich selber lachen kann, hat immer etwas zu lachen.» Hanspeter Betschart lebt nach diesem Motto, und vieles, was er erlebte, erzählt er in einer Art und Weise, die gefällt. «Das Grotto im Oltner Pfarrhaus» heisst das Buch, welches Pfarrer Hanspeter Betschart nicht ohne Augenzwinkern geschrieben hat, und auf dieses Augenzwinkern legt der Pfarrer grossen Wert. Spitzbübisch freute er sich schon Tage vor der Vernissage darüber, dass sich viele Prominente und weniger Prominente einfinden werden, weil sie im Buch vorkommen. Und Gutes tut der schreibende Pfarrer, der kein Sünder ist, auch: Der Verkaufserlös des Buches ist für ein SozialZentrum für geistig behinderte Jugendliche in Libanon.