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Presseschau: Oltner Tagblatt, 8. Oktober 2009

Ein «Puntenööri» für den Gäuerdialekt

Ende Oktober erscheint erstmals ein Gäuer Wörterbuch: Autor ist der ehemalige Wangner Markus Husy

«As nüüt eso» heisst das Gäuer Wörterbuch, das demnächst auf den Markt kommt. Der in Wangen aufgewachsene Markus Husy hat sich mit namhaften Einheimischen zusammengetan: ein Jahr lang arbeiteten sie daran.

Bislang gab es das noch nicht: ein Solothurner Wörterbuch, geschweige denn eines aus dem Gäu. Der ehemalige Wangner Markus Husy (67) wollte zunächst ein Internet-Portal lancieren, wo er sein Gäuer Wörterbuch publiziert hätte. Doch dann tat er sich mit dem Chronisten und ehemaligen Neu-Bechburg-Schlosswart, Heinz Studer als Lektor, und der bekannten Volkskundlerin Elisabeth Pfluger als Beraterin zusammen: an einer Ausstellung hatten sich die drei kennen gelernt und sich sofort verstanden. Das Buch mit über 3000 Gäuer Wörtern und Wendungen erscheint pünktlich zur Oltner Buchmesse Ende Oktober im Knapp-Verlag (29. Oktober bis 1. November). Am 6. November ist eine öffentliche Vernissage auf Schloss Neu-Bechburg geplant.

Husy und seine Berater konnten sich nicht in einem Archiv bedienen

Einfach war es bestimmt nicht, die vielen Begriffe zusammenzutragen, dafür umso interessanter: Husy hielt sich weitgehend an die Gäuer Autoren Elisabeth Pfluger, den 1989 verstorbenen Fulenbacher Autoren Beat Jäggi, den Egerkinger Autoren Eduard Fischer (verstorben 1981), den Kestenholzer Romantiker Joseph Joachim (1834-1904), sowie Bernhard Wyss von Kappel, der Autor lebte von 1833 bis 1889. Das Besondere am Buch sind Textbeispiele, meist aus den Werken dieser Schriftsteller, die jedem Wort beigefügt sind. Husy konnte während der Entstehung des Wörterbuches nicht auf Archiv-Werke zurück greifen, wie das etwa beim «Züri-Dialekt» möglich gewesen wäre. Natürlich habe es auch Diskussionen gegeben, etwa bei der Schreibweise oder ob ein Wort wirklich gäuerisch sei.

Im Zweifelsfall wandte er sich jeweils an Elisabeth Pfluger: «Wenn sie klar sagte, ein Wort sei bernisch, und nicht aus dem Gäu, habe ich es nicht verwendet. Nur wenn sie sich nicht ganz sicher war, habe ich weiter recherchiert, etwa im Schweizerischen Idiotikon», erinnert sich Husy. Klar ist, dass die Wörter grösstenteils allemannischen Ursprungs sind.

Für manche Wörter gibt es im Gäu unterschiedliche Sprech- oder Schreibweisen. So kam es, dass oft zwei oder mehr Versionen abgedruckt sind: zum Beispiel die Pfluger- und die Joachim-Version. Laut Husy pflegt Elisabeth Pfluger einen sehr ursprünglichen Gäuer Stil und konnte sich den Dialekt beibehalten, obwohl sie schon seit Jahrzehnten in der Kantonshauptstadt lebt.

 

 

Jetzt, da der Erscheinungstermin klar ist und das Buch auch inhaltlich den letzten Schliff erhielt, hat Husy gemischte Gefühle: «Ich bin mit der Arbeit zufrieden, aber wie es halt so ist: ein Wörterbuch ist nie vollendet. Inzwischen würde ich noch andere Wörter hineinnehmen.»

Die Verbindung zum Gäu ist nach wie vor gegeben

Der in Wangen bei Olten aufgewachsene Markus Husy zog bereits als 22-Jähriger ins «Züribiet». Sein Dialekt hört sich nach all den Jahren nicht mehr so ganz an wie im Gäu. Umso mehr interessiert ihn dieser Dialekt und er hört ihn sehr gern, «es ist halt meine Muttersprache», meint Husy. Der ehemalige Wangner sammelt nebenbei antike Mundart-Kinderbücher. Der ehemalige Banker entsorgte laut eigenen Angaben am ersten Tag seiner frühzeitigen Pension alle Berufsklamotten, liess sich einen Rossschwanz wachsen und kümmerte sich fortan um Dinge, «die viel spannender sind». Er interessiert sich für Kunst und sammelt antiquarische Bucher, organisierte bisher zwei Ausstellungen, und mit seiner Ehefrau zusammen drei Konzerte. Er lernte buchbinden, fliegenfischen und züchtet auch noch Forellen. Das grösste Kompliment sei gewesen, als ihn beim Forellenteich jemand ansprach mit: «Sind Sie hier der neue Bauer?»

GäuerDialekt: Hätten sie es gewusst?

Die folgenden Wörter gehören zu Autor Husys Favoriten: links ist die Gäuerform zu lesen, rechts die Hochdeutsche:
Mertel – Regenwurm
Tuedium – Benehmen
Gelöretli – Taschenuhr
Puntenööri – Ehrgefühl
kaländere – sinnen
zwitzere – schimmern
schnausig – schnell, flott
übelhübsch – hässlich
greebelig – grossmächtig
eisder – immer

Husy sagt, er habe Wörter, die in der ganzen Deutschschweiz gebräuchlich sind, oder solche, die per Wortlaut der Version in der Schriftsprache ähnlich sind, in seinem Wörterbuch nicht berücksichtigt. Im Vorwort des Buches widmet er sich ausgiebig der Schreibweise. Im Gäuer Wörterbuch werden an die 3000 Begriffe und Wendungen erklärt.

 

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