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Presseschau: Solothurner Zeitung / MLZ, 9. Oktober 2009

Heimat und mehr

Buch «Solothurn liegt am Meer» ist eben erschienen

In der gleichen Reihe wie Alex Capus' «Der König von Olten» ist nun Franco Supinos «Solothurn liegt am Meer» erschienen. Der «Knapp Verlag» setzt auf kurze Geschichten, schöne Gestaltung und Autoren aus der Region.

Der Titel des Buchs lautet «Solothurn liegt am Meer», doch was oben drüber steht – Franco Supino – ist eigentlich Programm: Supino ist zwar Solothurner (ein klein wenig auch Grenchner, da dort aufgewachsen), aber eben auch Italiener, wie es der Name andeutet. Zweite Ausländergeneration: Einer jener, die in zwei Kulturen zu Hause sind und doch in keiner richtig.

Das aber sei die Betrachtungsweise eines Schweizers, stellt Supino fest. «Für mich und meine Ausländerfreunde ist es ganz klar, wo wir zu Hause sind, nämlich hier in der Schweiz». Und es sei «eine Erfindung der Schweizer, dass wir uns hier nicht zu Hause fühlen können, weil wir einen anderen Pass haben.» Das geht bei Supino so weit, dass er von sich behauptet, dass «das Unvertraute, das Ausland, irgendwo nach Olten» beginne. Dass aber die Heimat wieder da sei, falls er in Neapel – der Heimat seiner Eltern – aus dem Zug steige.
So bleibt die Heimat dann auch das Thema des Franco Supino, in fast allen der 13 Geschichten, Texten und Reden.

 

Wenn er von jenem bekannten Basler Fussballer schreibt, der Heimweh hat, weil dessen Türkei bei sich zu Hause, in seiner Stadt, halt «etwas ganz anderes ist als die Türkei in der Türkei», ist die Parallele, die er zu sich selbst zieht, nicht zu überlesen: «Der neapolitanische Dialekt gehört für mich zu Solothurn, nicht zu Neapel», schreibt er. Dass er die Frage «was bist du nun eigentlich, Schweizer oder Italiener?», gleich gefürchtet hat, wie die Frage «wen hast du lieber, mamma oder papà?», ist daher nachvollziehbar.

Italien ist Solothurn – oder umgekehrt

Natürlich schreibt Supino auf den 100 Seiten nicht nur über die Heimat. Auch «handfeste» Themen haben ihren Platz: Mauern beispielsweise, die Klöster, Bischofssitze oder Sommerhäuser des alten Adels abschirmen; der Strassenverkehr oder der «Märet». Themen, bei denen Supino auch mal die spitze Feder zückt.

Warum aber Solothurn am Meer liegt, erklärt er natürlich auch. Dass er dabei wieder auf die Heimat – die andere – kommt, ist fast nicht zu vermeiden. Denn dass die «Hafebar» oder das «Solheure» italienisch angehaucht seien, sei aber falsch: «Als ich im letzten Jahr in Italien mein Weissweinglas nach draussen mitnehmen wollte, wurde ich vom Barmann höflich, aber bestimmt aufgefordert, meinen Wein an der Theke zu trinken.» Das wisse er ja, «ich hatte nur für einen Moment Solothurn mit Italien verwechselt». Kann passieren.

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