Alex Capus und Olten – das ist eine Hassliebe. «Ihr werdet Olten nicht kennen. Niemand kennt es!», begrüsste der 49-jährige Schriftsteller das Publikum am Dienstagabend zu seiner vom Leseverein Kilchberg organisierten Lesung. Olten habe einen überdimensionierten Bahnhof und sei eine unspektakuläre Kleinstadt, die zwar zwei Autobahnausfahrten hat. «Nur nimmt sie nie jemand», fügte er spitzzüngig an. Trotzdem: Der Sohn eines Franzosen und einer Schweizerin lebt seit über 40 Jahren «mit wechselnder, aber doch stetiger Begeisterung» in der Solothurner Kleinstadt.
Am Dienstagabend füllte der Schweizer Bestsellerautor den sonst etwas kühl wirkenden Saal des reformierten Kirchgemeindehauses in Kilchberg mit Leben. Rund 140 Personen waren erschienen und lauschten gespannt Capus’ Erzählungen aus dem Kurzgeschichtenbuch «Der König von Olten» und die Kleinstadtgeschichte «Madame Alice» aus seinem Werk «Mein Studium ferner Welten».
«Der König von Olten» hat eine lange Geschichte. Capus, der häufig sowohl Fakten als auch Fiktion in seine Erzählungen einfliessen lässt, kämpft seit langem mit der «Leugnung des Unterschieds von Dichtung und Wahrheit» seiner Leserschaft. Für die Oltner schreibe er Oltner Geschichten, auch wenn seine Kleinstadterzählungen fiktiv seien. «Einige erkennen sich in gewissen Figuren wieder, obwohl ich nie an diese Personen gedacht habe», erzählte er. Deshalb habe er beschlossen, wahre Geschichten über seine Heimatstadt zu schreiben.
Im November 2008 traf er einen ehemaligen Freund aus dem Kindergarten wieder, der Verleger geworden ist. Gemeinsam entschieden sie sich, für die Oltner ein Kurzgeschichtenbuch zu veröffentlichen. «Als das Buch dann plötzlich auf der Bestsellerliste erschien, mussten wir beide lachen», sagte Capus schmunzelnd. Mittlerweile wurde das Werk 25000 Mal verkauft und die vierte Auflage kürzlich gedruckt.
Die Geschichten aus Olten – deren Titel sich auf eine Katze mit Namen Toulouse bezieht – berichten nicht eigentlich über Toulouse, sondern über das Leben und die Menschen in Alex Capus' Heimatstadt. So simpel sie sind, sind sie doch eine Liebeserklärung an die Kleinstadt, und es wird klar, «dass Grossstädte wie Zürich oder Berlin auch nichts weiter sind als zehn oder hundert Mal Olten hintereinander».
Das Publikum war begeistert und zeigte Lust auf mehr: Die mitgebrachten Exemplare von «Der König von Olten» waren nach kürzester Zeit ausverkauft.