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Presseschau: Aargauer Zeitung / MLZ, 23. April 2010

Einmal täglich Meier, bitte

Seine «Meiereien» gehören für viele Zeitungsleser zum täglichen Vergnügen. Nun sind die Kolumnen von Jörg Meier in Buchform erschienen. Sie halten über den Tag hinaus.

Es gibt Dinge, die soll oder will man täglich tun. Etwa dreimal Zähneputzen, eine gute Tat vollbringen und mindestens fünf- mal lachen. Und Zeitung lesen natürlich. Die Leserinnen und Leser der «Aargauer Zeitung» finden in ihrer Zeitung täglich die «Meiereien», kürzere oder längere Kolumnen von Jörg Meier. Einmal lachen oder schmunzeln ist damit quasi garantiert.

Aber weil nicht alle Leute die AZ haben und weil auch viele diese kurzen Texte gerne wiederlesen würden, deshalb gibt es sie nun in Buchform. Nicht alle, aber eine Auswahl. Die hat der Autor getroffen, «subjektiv und von einigen Leuten beraten», wie er sagt, «aber zum Schluss als Verzweiflungstat». Das handliche Büchlein ist Band 4 der Perlen-Reihe aus dem Knapp-Verlag in Olten. «Als Johnny Cash nach Wohlen kam» heisst der Titel. Die entsprechende Kolumne erzählt von einem Hans aus Wohlen, der auch singen kann und will und endlich darf.

Seinen Stoff bezieht Jörg Meier meist in der Region. Da liest man im ersten Buchtext: «Der Briefkasten an der Niederwilerstrasse wird entfernt. Die Füllfrequenz sei zu gering, sagt die Post. Was die Post nicht weiss: Für das Kind, das ich einmal war, war dieser in die Mauer eingelassene Briefkasten die wichtigste Verbindung zur grossen, rätselhaften Welt, die es ausserhalb unseres Quartiers geben musste.»

Die Niederwilerstrasse in Wohlen muss man nicht kennen, um die schöne Geschichte zu verstehen und die leichte Wehmut des Autors über Dinge, die verschwinden, zu teilen oder zumindest zu verstehen.

Bei der Lektüre merkt man: Wohlen oder Schwaderloch sind überall... Aber trotzdem ist die Verortung, die Erdung der Geschichten, wichtig. Nur so sind sie aus dem Leben gegriffen und nur so berühren sie uns. Die Klassenzusammenkunft oder eine Trauerfeier oder die Begleitung der Junioren zum allwöchentlichen Fussballmatch sind Themen bei Jörg Meier – alltäglich und doch bedenkenswert. Und wenn er erzählt, wie er zwischen Fischbach-Göslikon und Mellingen einen zufrieden wirkenden Strassenarbeiter beobachtet, der «eine saubere Büez» abliefert, derweil das Autoradio von den Löhnen der UBS-Manager berichtet, so bringt er die Paradoxie unserer verrückten Welt auf den Punkt.

 

Nur manchmal weicht Meiers sanfte Ironie geradlinigem Zorn oder zynischer Schärfe – etwa wenn er das geforderte Kruzifix-Verbot in den Schulstuben bis ins vermeintlich Absurde weiterdenkt: «Wir plädieren für das leere, weisse Schulzimmer. Nur so ist wertfreier und objektiver Unterricht möglich. (...) Kinder sind irritiert, wenn die Atmosphäre im Schulzimmer angenehmer ist als zu Hause.»

Auch die grosse weite Welt liefert Kolumnenstoff: Wenn Barack Obama eine Fliege tötet, eine Studie über WC-Gewohnheiten erscheint, ein Feng-Shui- Büchlein zum Aufräumen oder ein Junk-Mail zum Abnehmen motivieren will, so drechselt Jörg Meier daraus Geschichten.

Manche «Meiereien» geraten auch zu Porträts, zu Hommagen an besondere Menschen; an Rosmarie etwa, die gute Seele des Kirchenchores, oder an den Altersheimbewohner Geni Räber oder an das Fräulein Vogt, die ehemalige Lehrerin. Jörg Meier, Vater von fünf Kindern, kennt die Schulprobleme. Eine Mutter lässt er am Stoff verzweifeln, den der Sohn für die Biologieprüfung büffeln muss.

Der Autor kolumniert sich einmal selber als «Falschfrager», als einer, der zu genau und deshalb peinlich fragt. Diese Meinung teilt man ausnahmsweise nicht. Im Gegenteil: Täglich eine Kolumne zu schreiben – davor muss man grosse Achtung haben. Es gibt wenige, die das schaffen; die meisten schreiben wöchentlich oder monatlich. Das Problem dabei ist ja nicht, dass es nicht genügend Stoff gäbe, doch immer den Dreh für eine muntere kleine Geschichte zu finden, die über das Ereignis oder das Skurrile hinausreicht, ist die Kunst der Kolumne.

Den Journalisten Jörg Meier kennt man auch als Verfasser von Theaterstücken und (meist kurzen) literarischen Texten. Sein Theaterstück «Halbfinal» über das einstige Fussball-Idol Geni Meier ist momentan auf Tournee, das Freilichtspiel folgt diesen Sommer in Sarmenstorf. Und die «Meiereien» gibts weiterhin täglich – immer morgens noch vor dem Zähneputzen.

Jörg Meier Als Johnny Cash nach Wohlen kam. Knapp-Verlag, Olten. 144 S., Fr. 23. 80.
Buchvernissage So, 25. April, 11 Uhr, Sternensaal Wohlen.
Theater «Halbfinal» von Jörg Meier. Bis Samstag im Stade de Suisse in Bern (ausverkauft). – 8. Mai, 20.30 Uhr im TaB in Reinach.
Bei der Lektüre merkt man: Wohlen oder Schwaderloch sind überall...

 

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