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Wenn es einem Journalisten gelingt, seine ganze Schulklasse von damals, die zur Klassenzusammenkunft erscheint, in einer Zeitungsspalte abzubilden, dann ist ein Könner am Werk: der Wohler Autor Jörg Meier. Jeden Tag notiert Meier für die Aargauer Zeitung seine Beobachtungen in einer Kolumne, die sich «Meiereien» nennt. «Das sind alle Menschengeschichten», stellte Werner De Schepper, stellvertretender Chefredaktor der AZ, gestern an der Buchvernissage fest. Wohlen mit Jörg Meier und Olten mit Alex Capus besetzen nach De Schepper «zwei literarische Spitzenpositionen in der Schweiz». An beiden Orten habe es «wahnsinnig gute Schreiber».
Kolumnen in einer Zeitung werden gerne gelesen, vermutlich, weil sonst so viel Ernstes, so viel Unglückliches und so viel Politisches im Blatt steht. Seitdem Jörg Meier täglich seine «Meiereien » publiziert, bekommt er viele Reaktionen aus dem Leserkreis. «Die Reaktionen sind fast das Schönste am Schreiben », meinte der Autor. Ironie, wenigstens zu viel davon, irritiere die Leser aber. Irritationen habe auf jeden Fall seine erste Kolumne über einen Beerdigungsgottesdienst in der St.-Wendelins-Kirche irgendwo im Freiamt ausgelöst, und das nur, weil mit Meier einmal mehr die Rosse der Fantasie ein bisschen durchgegangen waren. Was eine Kolumne sei, wisse auch er nicht ganz genau, sagte Meier.
In der Zeitungsspalte, die genau auf 1650 Zeichen beschränkt ist, könne er Geschichten erzählen, «die es so noch nicht gibt» – und das jeden Tag. «Die meisten Geschichten sind wahr», bekannte Meier. «Manchmal befiehlt mir der Layouter der AZ, die Kolumne um fünf Zeilen zu verlängern. Das ist schwierig», sagte der Autor. Denn wenn eine Geschichte erzählt sei und eine Pointe habe, dann sei sie eigentlich fertig. Auch habe sich gezeigt, dass sich Kolumnenschreiben auf Vorrat nicht bewähre.
Einen Haufen von bereits erschienen Kolumnen übergab Meier dem Murianer Kabarettisten und Schriftsteller Philipp Galizia zur völlig freien Verwendung. Galizia bearbeitete Meiers Beobachtungen zum Tag und streut sie jeweils in ein beliebiges Programm ein. An der Buchvernissage trug er einige Beispiele vor – zur unendlichen Freude des Publikums.
Die Gemeindebibliothek Wohlen und das Sternensaal-Team organisierten die Vernissage gemeinsam. Darüber freute sich auch Brigitta Loher, die emsig um den Lesernachwuchs bemühte Leiterin der Bibliothek. Sie stellte Jörg Meier einige knifflige Fragen, die der Autor souverän beantworten konnte. Was er tun müsse, um selber in einer von Meiers Kolumne vorzukommen, wollte Urs Heller vom Sternensaal-Team von Meier wissen. Vielleicht oder möglicherweise ganz sicher sei er bereits in einer Kolumne verarbeitet worden, beschied ihm Meier. Auch Gemeindeammann Walter Dubler und Meiers Verleger Thomas Knapp liessen sich die Gelegenheit nicht nehmen, an der Vernissage dabei zu sein. Der Wohler Buchhändler Peter Brünggel schaffte eine grosse Beige von Meiers Neuerscheinung herbei. Meier signierte die Bücher.