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Presseschau: Oltner Tagblatt / MLZ, 19. April 2010

Von Yolandas grossen Brüsten und anderem

Bruno Cerf – Der Heimkehroltner las in der Schützi aus seinem Hörbuch «Herrenloser Hund gehört der Dame aus Olten»

Volles Haus für den einstigen «Herregäger»-Intitianten Bruno Cerf. In der Schützi liess der wiedergewonnene Oltner Sohn, Grafik- und Literaturpoet, 40 Jahre Oltner Erinnerungen aufleben.

Es schwinden die Originale und manche tauchen auch wieder auf: In etwa so liesse sich Bruno Cerfs gestriger Auftritt in der vollbesetzten Schützi Olten zusammenfassen. Der Oltner, der neben ganz vielem vor über 40 Jahren in der Stadt auch Initiant der Herregäger-Gugge war und dann – eigentlich als Oltner Original – nach Bern auszog, meldete sich mit seinem Hörbuch «Herrenloser Hund gehört der Dame aus Olten», erschienen im hiesigen Knapp Verlag, kulturell zurück in seiner Stadt. Und er tat dies, indem er eingangs an «Tiger» Alfred Grolimund, den jüngst verstorbenen Wirt der «Waadtländerhalle», erinnerte und in einer seiner fabulierten Geschichten auferstehen liess. «Dies kommt im Hörbuch aber nicht vor», meinte Cerf, ehe er definitiv loslegte und spassig erklärte, eigentlich dürfte er hier drinnen rauchen; das gehöre gewissermassen zu seiner «Performance».

 

Lacher gewiss

Die Lacher waren Cerf in seiner knapp einstündigen «Performance» sicher. «So kennt man ihn halt» war einer der meist gehörten Kommentare zum Schluss der Lesung, in welcher Oltnerinnen und Oltner, allesamt mehr oder weniger Originale, zu retrospektiver Hochblüte kamen. Gepaart mit Cerfs Beredsamkeit und seiner virulenten Begabung, Alltägliches, Besonderes und Fabuliertes zu kombinieren, verhalf er einer durchschnittlichen Schweizer Stadt wie Olten zu kulturellem Odem. Und das Publikum wusste es zu danken, erinnerte sich zusammen mit Cerf an die verflossenen 40 Jahre, bald an Organist Loretan, dann an Yolanda mit ihren grossen Brüsten, an Brändli-Bomben und auch an Hildegard von Bingen, die der Heimkehrer in seinem Konglomerat an liebevoll strukturierten Aphorismen ebenfalls auftreten liess. Zwischen den virtuellen Kapiteln löste Saxophonist Roland Philipp mit seinen Klängen das Publikum aus der «Oltner Dreieinigkeit». Aber nicht um der Realität Willen, nein. Er seinerseits sorgte mit seinen kurzen Intermezzi für eine Entführung in die musikalische Welt perforierten Entrücktheit.

Ein bisschen wie Dürrenmatt

Wenn auch sonst bei dieser Lesung nichts an den grossen Friedrich Dürrenmatt erinnerte: Cerfs Tonfall, Cerfs Aussprache tat es. Die «ch» wurden in sympathisch germaner Rauhheit gesprochen, die Syntax hörte sich süffig an, die Sprache unverstellt. Das Ende der Lesung war ein solches wie nach jeder Lesung: Das Hörbuch gabs - natürlich - billiger: um fünf Franken. Den gesparten Fünfliber könne man an der Bar wieder ausgeben, so Cerf. Bevor es aber soweit war, hatte Mann und Frau sich in die Schlange zu stellen; zum einen des Hörbuchs und zum andern um der Signatur Willen. Es war, als wolle man sich den «literarischen Segen», der sich mit einem Mal über die Stadt ergiesst, auch schriftlich bestätigen lassen. Auch Olten ist eben ein Zentrum.

«Herrenloser Hund gehört der Dame aus Olten»; CD, Digipack 2010 CHF 25.00 - EUR 14.70; ISBN 978-3-905848-31-1

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