«So früh am Morgen hielt ich wohl noch nie eine Lesung», lässt Alex Capus seine Zuhörerinnen zu Beginn seiner Lesung um 9.30 Uhr wissen. Trotzdem macht er einen äusserst aufgeweckten Eindruck. Aus Olten kommt der Mann, der sogar die deutsche Literaturkritikerin Elke Heidenreich zu Lobeshymnen hinriss. Und diesem Olten widmet er auch so manche Geschichte – zumindest seit neuerem. Denn früher hat sich Alex Capus ganz der Fiktion verschrieben. Seine erfundenen Protagonisten liess er jeweils in einer Stadt auftauchen, die zwei Autobahnausfahrten hat, von 17000 Menschen bewohnt wird und durch die ein Fluss fliesst. Man kann davon ausgehen, dass die Parallelen zu Olten nicht ganz zufällig sind.
Trotzdem war es Alex Capus stets wichtig zu betonen, dass seine Geschichten, genau wie die Schauplätze und Personen, nur erfunden waren. Glauben wollte ihm das aber anscheinend kaum jemand. «Die Oltner scannen meine Bücher richtiggehend und glauben oft, sich selbst zu erkennen in einer der Figuren. Natürlich sind es immer die Helden», erzählt Capus und fügt hinzu: «Die Leute wollen glauben, was sie lesen. Es ist ganz schön anstrengend, immer schwören zu müssen, dass alles nur erstunken und erlogen ist.» Also habe er sich gedacht, wenn die Leute alles glauben wollen, schreibe er fortan halt wahre Geschichten. Einige von diesen trug er an seiner Lesung vor. Sie sind erschienen im Buch «Der König von Olten», das sich wochenlang auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste halten konnte.
Der «König von Olten» ist ein schwarz-weisser Kater, der sich in der Oltner Altstadt herumtreibt. Die Geschichten behandeln aber nicht die Katze, sondern die Menschen, die sich in der Stadt tummeln. Deswegen haben sich sogar manche beschwert und ihm «Etikettenschwindel» vorgeworfen. «Das waren ausnahmslos Frauen», lacht Capus. So erzählt er beispielsweise von seinem Nachbarn Herrn Zentner, der Polizist ist und der am JFK-Flughafen in New York wegen einer metallenen Angelspule in Schwierigkeiten geriet, aus denen ihn sein Oltner Polizeiausweis rettete.
Das Buch ist ein wahres Oltner Gemeinschaftsprojekt. Erschienen ist es bei einem Oltner Verlag, der von einem Kindergartenfreund Capus' geleitet wird. Gestaltet wurde es von einem Oltner Künstler. In kommerzieller Hinsicht hatten sie nicht viel erwartet. «Wir haben gelacht, als wir sahen, dass wir auf Platz 8 der Bestsellerliste eingestiegen waren. Dann waren wir auf einmal auf dem ersten Platz und haben den ganzen Sommer gelacht», erzählt der Autor, für den Fleiss genauso zu seinem Beruf gehört wie Inspiration und Kreativität. «Schreiben ist auch Arbeit, aber sie macht mir viel Spass.» Spass schien ihm auch seine Lesung zu machen, denn er erzählte etliche Anekdoten aus seinem Leben und brachte die Zuhörerinnen ständig zum Lachen. Die Geschichten über seine Heimatstadt sind auch Nicht-Oltnern zu empfehlen. «Die Menschen leben überall gleich. Egal, ob in Olten, Uzwil, Berlin oder New York», ist Capus überzeugt.