«Ist das nicht ein wunderbarer Platz?», meint Jörg Meier und lässt seinen Blick über die Landschaft mit den leuchtenden Rapsfeldern ob Sarmenstorf schweifen. Weder der Nieselregen noch der matschige Boden stören ihn in seiner Versunkenheit an diesem Auffahrtsdonnerstag. Viel zu tief befindet er sich bereits in der Geschichte, die er für die Freilichtspiele auf der Sachsenmatt geschrieben hat. Der Ort hat ihn inspiriert und die begeistert mitspielenden Laien. Ein «kleines Welttheater» sei da am Entstehen, sagt er. «Am 28. Mai ist Premiere, und bereits sind zwei Drittel aller Tickets verkauft», berichtet die Produktionsleiterin Edith von Arx und strahlt in den Regen.
Der Ausgangspunkt für das Theaterstück unter freiem Himmel, das auf der Angelsachsen-Legende beruht, gehört zu den schönsten Plätzen im Freiamt. So lockt etwa die Wendelinskapelle eingangs Sarmenstorf Besucher von nah und fern an. «Wir befinden uns hier an einem eindrücklichen Kraftort», erklärt Jörg Meier. Einen besseren Platz für die moderne Pilgergeschichte, die bis zum 2.Juli aufgeführt wird, hätte man kaum finden können. Und staunend beobachten Dorfbewohner und auswärtige Spaziergänger, wie auf der Sachsenmatt — nach den Plänen des Architekten Stefan Hegi — eine Ruine und ein Turm, umrahmt von einem kleinen Dorf, entstehen.
Autor Jörg Meier und zwei seiner Söhne gehören zum engagierten Laienensemble, das unter der einfühlsamen Regie von Mark Wetter das Freilichtspiel «Sachsenmatt» zur Aufführung bringt. «Es sind viele Jahre her, seit ich das letzte Mal selbst Theater gespielt habe», sagt Jörg Meier. Kein Wunder, der Wohler ist ein viel gefragter Mann. Soeben ist sein Buch «Als Johnny Cash nach Wohlen kam» erschienen, eine Sammlung von Geschichten und Kolumnen, erlebt, erdacht, gefunden im Mikrokosmos des täglichen Lebens. «Ich bin sowohl Realist als auch Fantast», meint der Vielschreiber nachdenklich und betont, dass der Grossteil seiner Aufgaben beinharte Knochenarbeit sei.
Zur Person
Jörg Meier ist im Freiamt aufgewachsen, wo er immer noch lebt. Er ist Vater von fünf schon ziemlich erwachsenen Kindern. Meier hat Germanistik und Pädagogik studiert und ist seit 25 Jahren im Journalismus tätig. Heute schreibt er als Autor für die AZ, betreut Praktikanten und Volontäre und ist Dozent am Medienausbildungszentrum MAZ in Luzern.
Täglich erzählt er in der Kolumne «Meiereien» den Leserinnen und Lesern der Aargauer Zeitung eine aktuelle Geschichte aus dem wirklichen Leben. In der Freizeit schreibt er gerne Stücke für das Volkstheater. Im Freilichtspiel «Sachsenmatt», das am 28. Mai in Sarmenstorf Premiere feiert, wirkt er auch gleich noch selber mit, allerdings in einer ziemlich nichtssagenden Rolle: Meier spielt einen Stummen.
Woher nimmt er die Ideen für seine täglichen Kolumnen? «Ich vergleiche mich gerne mit einer Hausfrau, die auch jeden Tag etwas auf den Tisch bringen muss», sagt Jörg Meier. Damit ihm das schreibenderweise gelingt, muss er «nach innen und aussen horchen, voraus- und zurückblicken, beobachten, aufnehmen, sich einlassen». Meier, der auch am Medienausbildungszentrum Luzern (MAZ) als Dozent tätig ist, sagt: «Am meisten habe ich übers Schreiben gelernt, als ich den Auftrag für ein Kinderbuch für Erstleser erhielt.» Jörg Meier bekam vom Verlag für ein Buch mit Cowboygeschichten so viele Vorgaben, dass er für sich das Schreiben neu erfinden musste: «Muss man Sätze so konzis und kompakt verschnüren, konzentriert man sich automatisch aufs Wesentliche.»
Wesentlich sein ist dem Autor wichtig. «Ich hinterfrage mich selber regelmässig, zweifle, verzweifle – fast. Den Akku aufladen kann er in solchen Situationen am besten an seinem zweiten Lieblingsort in der Schweiz. «Seit Jahren haben wir das Privileg, im Malcantone ein grosses Haus benutzen zu dürfen», erzählt der Sprachakrobat. Ins Tessin zieht er sich gerne zurück — allein oder mit der Familie. Seit die Kinder fast alle erwachsen sind, nimmt der fünffache Vater wieder mehr Projekte an. «Es gibt ständig etwas Neues, das ich noch ausprobieren möchte. Gerade hat er den Theatermonolog «Halbfinal» fertiggestellt, die Crew mit Schauspieler Max Rüdlinger ist mit dem Stück um den YB-Fussballer Geni Meier bereits auf Schweizer Tournee.
Man merkt, dass Meier die vielfältige künstlerische Herausforderung geniesst. «Ich werde wohl mein Leben lang verrückte Sachen aufs Papier bringen. Denn Menschen brauchen Geschichten. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.»
Freilichtspiel «Sachsenmatt», vom 28. Mai bis 3.Juli. www.sachsenmatt.ch
Jörg Meier – in Kürze
Meine Freizeit verbringe ich am liebsten ... als freiwilliger Bärenwärter im Tierpark in Goldau.
Am liebsten esse ich... Milchreis, garniert mit Smarties.
Am liebsten trinke ich... Airag, das mongolische Nationalgetränk (vergorene Stutenmilch), anfangs gewöhnungsbedürftig, mit der Zeit aber ein Genuss.
Erholen kann ich mich am besten... bei der Beschäftigung mit meiner umfangreichen Bierdeckelsammlung.
Im Moment lese ich... «Der Schatz im Silbersee» von Karl May (zum 21. Mal)
Am liebsten reise ich... mit dem Velosolex quer durch den Aargau bis nach Schwaderloch.
Als Bürger ärgere ich mich über... den farblichen Einheitsbrei bei Autos: Fast alle Autos sind heute irgendwie grau. Da müsste der Staat doch endlich etwas unternehmen.
An meiner Arbeit gefällt mir besonders ... dass ich ab und zu auch frei fabulieren darf, so wie hier: Alle Antworten sind ziemlich frei erfunden.