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Presseschau: Obersee Nachrichten, 17. Juni 2010

Liebeserklärung eines Uzners an den Solothurner Jura

«Das sagenhafte Wanderbuch» beschreibt Wege, Orte und Lebewesen auf der südlichsten Jurakette

Franz Walter aus Uznach streift ebenso gerne durch die Natur wie er schreibt und in alten Büchern stöbert. Sein neues Buch verbindet seine Leidenschaften. Herausgekommen ist ein Führer für sanften Tourismus.

Als weite Teile des Juras und des Schweizer Mittellandes noch zum Burgund gehörten, wollte der König einmal den südöstlichen Teil seines Reiches von oben sehen. Doch der nur vier Kilometer vom Solothurner Zentrum entfernte Aussichtspunkt Balmenfluhköpfli ist nicht einfach zu erreichen. Weil sich die eigenen Gefolgsleute vor dem Aufstieg fürchteten, heuerte der Burgunderkönig drei Einheimische an. Am Ende war es nur noch ein Geissenbube, der den König auf den Gipfel brachte. Während des Abstiegs wurde der Geissenbube von einer Viper gebissen und verstarb kurze Zeit später. Der König aber löste sein Versprechen, dass er für den Geissenbuben nach dessen Tod jeden Tag eine heilige Messe feiern lassen würde, nicht ein. Und so wurde auch dem Wunsch des Königs, das Balmfluhköpfli in Königssitz umzubennenen, nicht entsprochen.

Geschichte und Natur

Die Geschichte vom König, der sein Versprechen nicht gehalten hatte und dessen Hochmut bestraft wurde, lässt sich nachlesen im neuesten Buch von Franz Walter. Der Lehrer, Autor und Naturfreund lebt seit vielen Jahren in Uznach. «Das sagenhafte Wanderbuch» widmet er aber seiner Heimat. Er schildert in Worten, Fotos und Illustrationen eine Wanderung in vier Teilen durch den Solothurner Jura. Die Routen selber beschreibt Walter nur am Rande. Den grössten Teil des Buches widmet der 60-Jährige jenen Geschichten, die er am Wegrand «gefunden» hat. Wie eingangs beschrieben, erzählt er zum Beispiel Sagen und Legenden, hält Rückschau auf historische Begebenheiten und weist hin auf Sehenswürdigkeiten, Flora und Fauna.

Der Naturschutz liegt Walter besonders am Herzen. Zusammenarbeit und Sponsoring mit Solothurn Tourismus sind unter anderem zustande gekommen, weil die Organisation mit dem «sagenhaften Wanderbuch» in der Region den sanften Tourismus fördern will. Über die Verhaltensregeln in der Natur schreibt Walter ebenso wie über urchige Beizen, in denen es Spezialitäten aus der Region gibt.

 

Jura-Originale

Dass Walter Menschen gerne hat, merkt jeder, der ihn trifft. Liebevoll stellt er in seinem Buch einige Originale vor, denen er auf der südlichsten Jurakette begegnet ist. Zum Beispiel Hüli, der auf dem Blamberg Alpaka-Trekking anbietet. Oder Ueli Walker: Der Hirte und Besenbeizer sömmert auf dem Stierenberg von Juni bis September 80 Rinder. Der Stierenberg ist einer von Walters Lieblingsplätzen auf dem Solothurner Jura. Von dort aus hat man eine prächtige Aussicht auf das Mitteland und auf über 1200 Berggipfel.

Natürlich hat Walter auch in seiner neuen Heimat Orte und Berge gefunden, wo er sich besonders wohl fühlt. Zum Beispiel den Wissboden am Nordhang des Regulasteins: «Wenn der Schnee gut ist, laufe ich fast jede Woche einmal mit den Schneeschuhen hinauf.» Am liebsten tut er es bei «Hudelwetter», das für ihn gleich- zeitig «Hüttenwetter» ist. Walter: «Dann hat man seine Ruhe. Und Suppe, Plättli und Bier in der Wissboden-Hütte schmecken dann noch besser.» Sehr gerne ist Walter auch um den Speer in den Gebieten Wengi, Chüemettler und Amden unterwegs. «Diese Gegend ist dem Solothurner Jura recht ähnlich», sagt Walter.

Zwei weitere Projekte

«Das sagenhafte Wanderbuch» ist bereits Walters elftes Buch. Gut möglich, dass bald schon ein zwölftes erscheinen wird. Zu zwei Projekten hat Walter bereits Vorarbeit geleistet. Beim einen geht es um einen Pfarrer aus Afrika, der in der Schweiz missioniert. Das andere wäre eine Fortsetzung des eben erschienenen Wanderbuches. Walter: «Möglicherweise wird es auch ein sagenhaftes Wanderbuch über die zweite Jurakette geben.» Unter Termindruck will der Uzner jedoch nicht arbeiten, weil seine Schreiberei auch ein angenehmer Ausgleich zu seinem Hauptberuf als Lehrer sein soll. «Als Schriftsteller arbeite ich wie ein Hobbygärtner. Wenn der Salat nicht kommt, kaufe ich ihn in der Migros.»

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