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Presseschau: Der Bund, 3. August 2010

Der kleine Bund

15 Fragen an Jörg Meier

«Ich möchte fliegen können»

Jörg Meier (1955) hat Germanistik und Pädagogik studiert und ist Vater von fünf schon ziemlich erwachsenen Kindern. Sein aktuellstes Stück «Halbfinal» – ein Monolog über die YB-Legende Geni Meier – wurde im April 2010 im Stade de Suisse uraufgeführt. Meier arbeitet als Autor für die «Aargauer Zeitung» und schreibt jeden Tag eine Kolumne. Eine Auswahl seiner Texte ist vor wenigen Wochen unter dem Titel «Als Johnny Cash nach Wohlen kam» im Knapp-Verlag erschienen.

Wofür sind Sie dankbar?
Dass ich den Lebensunterhalt für unsere Familie schreibend verdienen kann.

Wie würden Sie Ihren momentanen Geisteszustand beschreiben?
Manchmal sitze ich einfach da und tue nichts. Dann merke ich, dass ich einfach dasitze und nichts tue. Und bleibe trotzdem sitzen.

Welches ist Ihr grösster Albtraum?
Wenn ich irgendwo bin, wo ich nicht sein möchte. Und es gibt kein Entrinnen.

Was möchten Sie sein?
Einer, der mit immer weniger Worten immer näher zum Wesentlichen gelangt.

Ihre Lieblingsgestalt in der Geschichte?
Heinrich Fischer, Schwanenwirt zu Merenschwand, der 1830 während einer Stammtischrunde zum Widerstand gegen die Regierung aufrief, worauf 5000 Freiämter mit viel Getöse nach Aarau aufbrachen und die Aargauer Regierung absetzten. An der Spitze des Freiämtersturms ritt «General» Fischer, der seither im Freiamt als Held gefeiert wird.

 

Ihre Heldinnen und Helden in der Wirklichkeit?
Die wechseln immer wieder. Im Moment ist es der Gemeindearbeiter des hintersten Dorfes im Malcantone. Er hat nach dem gewaltigen Gewitter der letzten Nacht den Weg zu unserer Unterkunft wieder passierbar gemacht. Und dabei weiss ich nicht einmal, wie er heisst, der Gemeindearbeiter.

Ihre Lieblingstugend?
Ich kann schweigen.

Ihr grösster Fehler?
Manchmal schweige ich, wenn ich reden sollte.

Lieben Sie jemanden?
Ja.

Und woraus schliessen Sie das?
Ihr zuliebe rasiere ich mich auch in den Ferien – und das fast täglich.

Möchten Sie das absolute Gedächtnis?
Nein, danke. Ich habe ein ziemlich gutes Gedächtnis. Und schon das ist nicht immer einfach auszuhalten.

Welche Gabe möchten Sie besitzen?
Ich schwanke. Entweder mich unsichtbar machen oder fliegen können. Ich entscheide mich fürs Fliegen. Da ist mehr Bewegung.

Wem wären Sie in Ihrem Leben lieber nie begegnet?
Jenem Augenarzt, der damals meine Eltern überzeugen konnte, dass es sinnvoll sei, dem Fünfjährigen das gute Auge zuzukleben, damit das schlechte mit der Zeit auch ein gutes wird. Ich stolperte drei Jahre lang halb blind durch die Welt.

Hinter welches Geheimnis möchten Sie kommen?
Wie kann es gelingen, fröhlich und in Würde älter und schliesslich alt zu werden?

Wie möchten Sie sterben?
Müde und zufrieden.

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