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Presseschau: Der Bund, 3. August 2010

Erleuchtungen einer Berner Stadtstreicherin

«Bund»-Leser kennen die Diakonisse mit dem reinen Herzen bereits: Jetzt sind Arianevon Graffenrieds Abenteuer der «Fleur de Bern» als Buch erschienen.

In ihrem Zimmer im Diakonissenhaus Schönburg betrachtet sich die alte Dame mit der Haube eingehend im Spiegel: «Mit jedem Jahr wird Fleur kleiner und schmaler. Es kommt ihr vor, als ertrinke sie in ihrer dunkelblauen Tracht.»

Weinerlichkeit jedoch ist kein bestimmender Charakterzug von Fleur, dieser unternehmungslustigen Blume mit dem reinen Herzen. 2008 und 2009 schickte Ariane vonGraffenried, selber mithilfe einer Diakonisse auf die Welt gekommen und auch als Elsa Fitzgerald vom Spoken-Word-Duo Fitzgerald & Rimini bekannt, in einer «Bund»-Kolumne ihre liebenswerte Heldin auf Streifzüge durch eine Stadt zwischen sentimentaler Rückschau und dem Willen zur Metropole.

Am Ende eine «Himmelfahrt»

Angeregt durch das «Stadtgespräch» im Blätterwald lässt die Autorin auf vergnügliche Weise die Wege von «Fleur de Bern» – das von Nico Gurtner keck illustrierte Büchlein erscheint im Knapp-Verlag – auf diejenigen mehr oder minder prominenter Zeitgenossen prallen. Sie muss sich etwa mit einem liebestollen ehemaligen YB-Platzwart herumschlagen und wird vom Mentalisten-Duo Vincent Raven und Uri Geller verfolgt, weil deren Krähe im Diakonissenhaus Zuflucht gesucht hat.

 

Die gute Seele trifft auf einen als amerikanischer Ureinwohner maskierten deutschen Finanzminister an der BEA, der sie als «Kavallerist, ähm Kavalier» in den Streichelzoo einladen möchte; sie unternimmt auf dem Sozius einer Harley-Davidson mit den Broncos einen Ausflug auf die Mänziwilegg – «in der Formation eines christlichen Kreuzes». Der oberste Bronco-Chef, damals am Anfang seiner politischen Karriere stehend, erläutert sein Programm in Bezug auf die Gesellschaft: «Mir lö se la sy, solang sie üs lat la sy. Dasch grob gseit ds programm.»

In der Silvesternacht will die mildtätige Diakonisse im Steinhölzliwald Randständigen, die sich in Erdlöchern eingerichtet haben, eine Suppe offerieren und trifft auf Ueli Maurer, der dort im Zelt schläft, an Grashalmen kaut und «Lösungen für unser Land» sucht. Im Grande Finale treffen sich alle diese wunderlichen Figuren auf dem Dach eines Hochhauses im Tscharnergut und werden leicht angeheitert Zeugen von Fleurs «Himmelfahrt», die in die Lüfte emporsteigt, «zur Wolke wird und mit den Wasserstoffdinosauriern davonzieht». Fleur, altes Mädchen, komm bald wieder!

Vernissage: Montag, 1. September, 20 Uhr, Buchhandlung Stauffacher Bern.

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