Ihr neues Buch heisst «Gubrist, mon amour». Eine ungewöhnliche Kombination. Wie kam es zu diesem Titel?
Thomas C.Breuer: Das war die Idee meiner Frau. Eine Liebeserklärung an einen Tunnel, das ist etwas, das schlecht zusammenpasst. Da dachte ich mir, das müsste die Schweizer ansprechen.
Sie bereisen die Schweiz vor allem per Zug?
Breuer: Ja, das geht ja auch ganz gut und zuverlässig, denn dafür ist ja nicht die Deutsche Bahn zuständig.
Im Text «Discover Switzerland» schreiben Sie auch von einem Halt in Dietikon. Sie fuhren aber nach nur gerade 16 Minuten wieder weiter. Wie kommt das?
Breuer: Nein, das dürfen Sie nicht für bare Münze nehmen. Ich war 2001 schon deutlich länger in Dietikon: Damals hatte ich im Kellertheater einen 90-minütigen Auftritt. Dann kommen noch Ankunft und Abreise dazu.
Was für Reaktionen erhalten Sie, wenn Sie sich über die Unterschiede zwischen Schweizern und Deutschen lustig machen?
Breuer: Ich mach mich ja auch über die Deutschen lustig. Das hilft ungemein.
Man gesteht Ihnen dieses Recht also zu?
Breuer: Das Publikum, das sich für Kabarett interessiert, ist da sicher aufgeschlossen. Ich erhalte ganz unterschiedliche Reaktionen. Ich glaube, für die Schweizer ist es einfach wichtig, dass ich abends jeweils wieder nach Deutschland nach Hause fahre.
Vor kurzem geisterte die Idee durch die Medien, man könnte Baden-Württemberg an die Schweiz angliedern. Was halten Sie davon?
Breuer: Da wurde ja im Grunde eine Idee von mir übernommen. Die habe ich im Text namens «Rottwil» entwickelt. Ich wohne ja im deutschen Rottweil. Das ist ein Ort, dessen Geschichte eng an die der Schweiz geknüpft ist. Um 1519 schloss Rottweil einen Vertrag mit der Schweiz. Das ist wahrscheinlich der schweizerischste Ort Deutschlands. Zudem dauert es nur eine Stunde bis Schaffhausen.
Das klingt, als könnten Sie dieser Idee Positives abgewinnen?
Breuer: Aber durchaus, obwohl der Vorschlag ja keineswegs ernst gemeint war.
Wären Sie dann auch bereit, mehr Kulanz walten zu lassen, was die Schweizer Benutzung von Präpositionen angeht? Also vielleicht auch einmal zu sagen: «Ich fahre auf Zürich.»?
Breuer: Das merke ich ja jetzt schon: Durch meine Aufenthalte in der Schweiz schleichen sich immer wieder Helvetismen ein.
Die Sie dann wieder austreiben?
Breuer: Nein, die bleiben.
In einem Ihrer Texte sehen Sie aber auch in der Schweiz eine Übernahmekandidatin.
Breuer: Ja, da hat mich Gaddafi kopiert. Das sind ja Ideen, die ich schon lange entwickelt hatte. Dabei würde beispielsweise die Romandie Rumänien zugeteilt.
Machen Sie sich schon Gedanken über Ihr nächstes Buch?
Breuer: Da geht es um die Schweizer Küche und die ausländischen Einflüsse. Das Buch hat sogar schon einen Titel, den wiederum meine Frau gefunden hat: Er lautet «Piranha-Fondue».
Der deutsche Kabarettist Thomas C. Breuer erzählt in seinem neuen Buch «Gubrist, mon amour» mit spitzer Feder von den Schweizer Eigenheiten. Er erklärt darin, warum heute kaum mehr einer den Job eines Millionärs machen will oder dass die Schweiz zu wenig Alkohol konsumiere, um in die Europäische Union aufgenommen zu werden. Den Titel für das Buch gab der Text «Gubrist, mon amour», in dem Breuer von der Schweizer «Bohrversessenheit» erzählt – dem Drang Tunnels zu bauen.